Religiöse Absonderlichkeiten

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Hallo Liberaler,
hast du auch schon mal so ein Traktat in Händen gehalten? :)
Meine Erfahrung: sie wirken abstoßend...

Aber wenn wir schon die Verfechter des Kreationismus erwähnen, dann sollte das hier nicht fehlen: Creation Museum.
 

Ein_Liberaler

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Vor ein paar Wochen war ich darüber gestolpert und habe ein paar Artikel darüber gelesen, und da kam mir eine verschüttete Erinnerung, daß ich vor zig Jahren mal so ein Traktätchen in Händen gehalten haben könnte - könnte. Sicher bin ich nicht.
 

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Die Kreationisten haben ihr Goldenes Kalb gebaut, eine Art Arche Noah für Fundamentalisten.

Entgegen erster Pläne zum Themenpark sind die Tiger, Bären, Vögel, Mäuse und was sonst noch so kreucht und fleucht keine lebendigen Exemplare, sondern lediglich mechatronisch bewegte Statuen. Das gilt auch für Noah und seine Familie. Etwas überraschend für die Besucher ist vielleicht der Anblick von zwei Dinosauriern. Dass diese ausgestorben sind, leugnen Kreationisten zwar nicht, obwohl diese ihrer Logik zufolge zur gleichen Zeit wie Menschen lebten. Allerdings wurden die Riesenechsen Opfer der Flut.
:plemplem:
 

Giacomo_S

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Die religiösen Spinner gingen eben nach Amerika, und die Aufklärer blieben in Europa.
 

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Hier haben Sie dann wieder kräftig missioniert. In München zum Beispiel sind viele freikirchliche Gemeinden von amerikanischen Missionaren gegründet worden. Old Europe ist halt ungläubig.
 

Giacomo_S

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Manchmal bin ich hin- und hergerissen, was daran gut oder schlecht ist.

In dieser Doku des VICE-Magazins berichtet eine junge Britin über Drogensucht in Südsibirien (Achtung, der Beitrag ist nichts für Sensibelchen):

Krokodil: Russia's deadliest drug

Große Teile der Jugend hängen eh bereits an der Nadel, und wer sich das sowieso schon vergleichsweise billige Heroin nicht mehr leisten kann, der landet bei der Ersatzdroge Krokodil - mit einer anschließenden Lebenserwartung von max. 1 Jahr und verfault bei lebendigem Leib.

Der russische Staat lässt die Menschen in ihrem Elend einfach im Stich, die Drogenabhängigen sowieso.
Die Einzigen, die sich um die Ausgestoßenen kümmern, sind freikirchliche amerikanische Missionare, die zudem mittlerweile auch noch von der russischen Regierung unter Druck gesetzt werden.

Die Missionare haben mit ihren Programmen durchaus Erfolge vorzuweisen, allerdings hat das Wegkommen von der Droge auch seinen Preis. Zwar sind einige durch die Missionierung clean und bleiben es auch, sie werden aber auch zu so einer Art "religiöser Psycho-Zombies".
Schwer zu sagen, was besser ist.
 

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Das Video habe ich irgendwann schon einmal gesehen...

Kennengelernt habe ich mal Mitarbeiter von Teen Challenge, einer christlichen Suchtkrankenhilfe, die folgendes Selbstverständnis hat:
Mit unseren Angeboten möchten wir dazu beitragen, dass Menschen befreit leben können. Wir helfen sucht- und seelisch Kranken sowie Menschen mit anderen schweren Problemen Kindern und Jugendlichen, die suchtgefährdet oder abhängig sind Menschen, die durch Ihre Sucht- oder seelische Problematik anhaltend geschwächt sind und die eine stabile Umgebung brauchen.

Wir unterstützen Kirchen, Gemeinden und Werke, damit sie effektiver Menschen in Abhängigkeit und schweren Lebensproblemen aufhelfen, um ihnen ein sinnerfülltes Leben zu ermöglichen.
teen challenge
Gegründet wurde dies Organisation von einem evangelistischen Prediger in den USA, namens David Wilkerson in den USA, der insbesondere ab Ende der 50er in New York (anfangs speziell in Brooklyn) aktiv war. Dort florierten die jugendlichen Banden, der Drogenhandel unter Teenagern und die Straßenkämpfe, bei denen durchaus jugendliche immer wieder umkamen (die Anzahl der Tötungsdelikte pro Jahr waren zu der Zeit weit höher als heute). Einer seiner Zöglinge war Nicky Cruz, ein Bandenchef (der laut eigener Biographie zwei Tötungen bei solchen Straßenkämpfen auf sich zählt) - beide sind Schlüsselfiguren in den Anfangsjahren von Teen Challenge, die als Organisation in dutzenden Ländern aktiv ist.
Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Jugendliche und junge Erwachsene, Erwachsene mit Suchtproblemen durch die doch einfache christliche Botschaft - Vergebung, Annahme, Gemeinschaft - eine Lösung für ihr Drogenproblem finden und ihren neugefunden Glauben sehr intensiv ausleben und sich engagieren. Sie erleben sozusagen eine 180°-Wendung und klammern sich an dem Glauben fest. Ein Rückfall ist natürlich trotzdem nicht ausgeschlossen. Die Frage ist dann, ob Religion/Glaube quasi grundsätzlich eine hilfreiche Brücke sein kann, um Personen aus dem Sumpf zu führen, durch klare Regeln und Gemeinschaft. Hilft Religion explizit, oder ist es eher die intensive Betreuung und das Leben in einer Gemeinschaft, das Nicht-allein gelassen werden?

Oben genannte Personen waren übrigens lange Zeit missionarisch sehr aktiv, wobei sich Wilkerson auch als Endzeitprophet probiert hat und auf der religiösen Skala wohl als ziemlich extrem einzustufen ist.
 

InsularMind

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streicher schrieb:
Die Kreationisten haben ihr Goldenes Kalb gebaut, eine Art Arche Noah für Fundamentalisten.

Entgegen erster Pläne zum Themenpark sind die Tiger, Bären, Vögel, Mäuse und was sonst noch so kreucht und fleucht keine lebendigen Exemplare, sondern lediglich mechatronisch bewegte Statuen. Das gilt auch für Noah und seine Familie. Etwas überraschend für die Besucher ist vielleicht der Anblick von zwei Dinosauriern. Dass diese ausgestorben sind, leugnen Kreationisten zwar nicht, obwohl diese ihrer Logik zufolge zur gleichen Zeit wie Menschen lebten. Allerdings wurden die Riesenechsen Opfer der Flut.
:plemplem:

Ich kann zwar nicht sagen, ob das dieselbe Gruppe ist, oder ein deutscher Ableger davon, aber das Teil:

https://www.youtube.com/watch?v=qTv7yc5Bwao

hat nun auch schon öfter in der Hörn in Kiel Halt gemacht. Ich war nicht drin, bin nur vorbei gelatscht. Die Werbeschilder waren entsprechend lieblich kindisch bis frömmelig gestaltet. Hätte auch eine Delegation der Zeugen Jehovas sein können. Seit offenes Missionieren nicht mehr geht, versuchen sie's anscheinend so.

Kreationisten sehen ja auch überhaupt keine mögliche Verwandtschaft, wenn man ihnen einen Schädel eines Homo erectus, eines Neandertalers und dann den eines frühen Cro-Magnon-Menschen zeigt. Habe mal eine Sendung mit Richard Dawkins darüber gesehen, der sich mit einer Kreationistin darüber unterhielt. Kein Durchkommen!

Der Logik nach können Familienmitglieder auch nicht direkt verwandt sein, wenn deren Gott die alle einzeln zurecht geknetet hat.
Angeblich funktioniert die Zeugung von 'richtigen' Kindern auch nur, wenn der Heilige Geist während des Zeugungsaktes zugegen weilt.
Und Retortenkinder bzw. uneheliche Kinder sind seelenlos...:don:

Das würden wohl sogar Rothaarige lustig finden. :lol:
 

streicher

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Vielleicht gehört des zur großen Strategie der fundamentalistischen Gemeinden weltweit, dass solche Themenparks/Archen eröffnet werden. Die beiden Archen sind bei weitem nicht die einzigen (werden dort auch beide genannt...).
Noahs Archen in der ganzen Welt Größe: 1:1

2016-07 Ark Encounter Bibel-Themenpark in Kentucky/USA (Bericht) (Video 1) (Video 2)
ab Sommer 2012 Noahs Arche in Dortrecht/Holland (Bericht) (Video)
2016 auf dem Weg nach Brasilien
ab 2011 die erste Arche Noah in Hongkong
ab 2009 "Tierra Santa" in Buenos Aires/Argentinien
ab 2009 Noahs Ark in einem Freizeitpark in Hongkong (China, engl.) (Bericht)
ab 2007 Creationmuseum in Petersburg bei Cincinnati USA
ab 2001 Holy Land Experience in Orlando im US-Bundesstaat Florida
Arche Noah weltweit...
Laut der Internetseite hätten sie sogar die Original-Arche am Berg Ararat gefunden. :superlol:

InsularMind schrieb:
Kreationisten sehen ja auch überhaupt keine mögliche Verwandtschaft, wenn man ihnen einen Schädel eines Homo erectus, eines Neandertalers und dann den eines frühen Cro-Magnon-Menschen zeigt. Habe mal eine Sendung mit Richard Dawkins darüber gesehen, der sich mit einer Kreationistin darüber unterhielt. Kein Durchkommen!
Oh ja, das stimmt: die sind hartnäckig. Man nehme ihnen die Schöpfung und die Sintflut: dann fällt das Kartenhaus.
Mit Logik kommt man dann auch nicht weit. Gerne beißen sie sich in der Diskussion um Evolution oder Schöpfung an der C-14-Methode fest und zweifeln das relative Gleichgewicht des Zerfalls und der Neubildung von C-14 an. Aus dem konstruieren sie dann den Schluss: "Eine Gleichung, zwei Unbekannte - das ist nicht lösbar." Oder noch besser: sie gehen eben nicht von diesem Gleichgewicht aus und bauen es in ihre Argumentation ein. Allerdings wären sie dann mit einem Nachweis in der Pflicht, selbstverständlich fehlt der. Überhaupt werden die Argumentationsketten ziemlich skuril: wie will man aber auch Dinge verteidigen, die eigentlich haltlos sind. Was die Datierungsmethoden anbelangt: C-14 ist nur eine von Dutzenden. Da müssen sie sich aber viel einfallen lassen... :)
 

Giacomo_S

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Die Debatten von Kreationisten sind insofern albern, da die Begründung der Evolutionstheorie ja längst nicht nur auf der C14-Methode basiert, sondern gleich auf einer ganzen Reihe von grundlegenden Naturwissenschaften. Nicht zu vergessen, dass sie mit der Altersbestimmung von Sedimenten begann und es lässt sich ja auch ohne großen technischen Aufwand beweisen, wieviel Zeit die Bildung von Sedimenten erfordert.

Wenn kreationistische Argumente von irgendeinem Wurzelsepp kommen, der irgendwo im Hinterwald auf dem Niveau des 18. Jh. lebt: Meinetwegen.
Aber solche Argumente mit Medien wie dem Computer zu verbreiten, der auf denselben naturwissenschaftlichen Grundlagen beruht wie der Evolutionsgedanke, dann ist das schon eine besondere Form dümmlicher Ignoranz.

schon öfter in der Hörn in Kiel Halt gemacht

Also wenn ich mir das Filmchen da so anschaue, dann sieht der "Erlebnispark" ziemlich grottig aus. Wäre interessant, was mit dem Seelenverkäufer passiert, sollte es zu einem Hochwasser oder einer Sturmflut kommen.
Vor allem aber: Wenn schon ganze Vereine mit den technischen Mitteln unserer Zeit daran scheitern, eine hochseetüchtige Arche zu bauen - wie soll das erst einem (kupferzeitlichen?) Noah mit seinen drei Söhnen möglich gewesen sein?
 

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Giacomo_S schrieb:
Also wenn ich mir das Filmchen da so anschaue, dann sieht der "Erlebnispark" ziemlich grottig aus. Wäre interessant, was mit dem Seelenverkäufer passiert, sollte es zu einem Hochwasser oder einer Sturmflut kommen.
Vor allem aber: Wenn schon ganze Vereine mit den technischen Mitteln unserer Zeit daran scheitern, eine hochseetüchtige Arche zu bauen - wie soll das erst einem (kupferzeitlichen?) Noah mit seinen drei Söhnen möglich gewesen sein?
Es gab schon eine Kollision und das Ergebnis war ein großes klaffendes Loch: Bilder unten.
Die Sintflutfanatiker sind sich nicht bewusst, wie klein die Arche war. Immerhin wurden von jeder Art zwei Tiere in der Arche mitgenommen. Tja, das reicht wohl für ein paar Dutzende Säuger, aber dann wird's eng. Es sind gerade mal 5416 Säugetierarten bekannt - also jede Art? Und wenn die Arche auf 3000 Metern Höhe gelandet sein soll, dann darf man sich doch schon fragen, welche Säuger denn heute noch in Australien überlebt haben dürften? Dann wären noch die Vogelarten. Noah schickte nur Tauben los, oder? Menschenskinder, die denken nicht 1 cm weit.

Und überhaupt: die niedlichen Darstellungen des Spaziergangs der Tiere in die Arche zeigt Arten, die weltweit sehr verstreut leben: Löwen, Giraffen, Elefanten, also die klassischen Zootiere, dürfen nicht fehlen. Am Besten, man lässt das Löwenpaar noch artig dem Antilopenpaar hinterherwackeln. Wie die Giraffen den Weg aus der Serengeti zur Arche gefunden haben, bleibt natürlich eine offene Frage. An den Eisbären hat wohl auch noch niemand gedacht.
So, und dann war die Arche über ein Jahr unterwegs. Das haben die 8 Mitglieder der Noah-Familie angeblich hervorragend gemeistert. Tiere wollen versorgt sein. Löwen und Tiger stehen auf Fleisch (Problem?). Rotwild steht zum Beispiel auf Pilze, Rinde, Obst, Gras, (...) . Nur woher? Vielleicht sollten sich die Sintflutfanatiker dazu noch was ausdenken. Oder, verdammt nochmal, sie sollten einfach mal akzeptieren, das die Geschichte einfach nur eine Erzählung und kein Tatsachenbericht ist.


Altorientalische Parallelen wurden auf dem Board sicher zig mal schon genannt, aber diese erste (?) Erzählung einer Sintflut darf ruhig nochmal erwähnt werden:
Der Atraḫasis-Epos.
 

Giacomo_S

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streicher schrieb:
Tja, das reicht wohl für ein paar Dutzende Säuger, aber dann wird's eng.

Vor ein paar Jahren habe ich mal einen amerikanischen Text im Internet gelesen, der sich damit befasste. Da wurde dann zunächst mal der Platz ausgerechnet, der sich laut biblischer Beschreibung ergibt.
Dann nahm man sich die Anzahl der heute bekannten Arten vor, um dann die heraus zu rechnen, die der Arche gar nicht bedurften, z.B. der Fische usw. usf.

Es dürfte klar sein, dass der Text damit endete, dass der Platz in der Arche sehr wohl ausreichte, um alle Tiere unterzubringen.
Andere logistische Schwierigkeiten kann man natürlich immer leicht mit dem Motto "Gott ist nichts unmöglich" wegwischen und wenn es sich gar nicht anders machen lässt, dann muss eben ein veritables Wunder her.

streicher schrieb:
Altorientalische Parallelen wurden auf dem Board sicher zig mal schon genannt, aber diese erste (?) Erzählung einer Sintflut darf ruhig nochmal erwähnt werden:
Der Atraḫasis-Epos.

Diese Sintflut-Geschichte ging auch in den Gilgamesch-Epos ein und wurde 1872 von George Smith erstmalig übersetzt - das war wohl auch ein ziemlicher Schock für eine bibelfeste Gesellschaft des 19. Jh. Allerdings bezweifle ich nicht, dass auch heute christliche Fundamentalisten sich diese Erkenntnisse irgendwie schön reden können.

Sie verwenden dann - wie Teile der islamischen Welt auch - dann das Argument der "verfälschten Schriften" und behaupten dann einfach, die Bibel greife auf ältere (aber verlorene) Quellen zurück als der bereits genannte Atrahasis-Epos. Dieser sei dann eben nur eine Art "verfälschter Bericht" einer zwischenzeitlich vom rechten Wege abgekommenen Kultur.
 

Giacomo_S

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streicher schrieb:
Man will mit Drohnen, die in großer Höhe fliegen, über den vom IS kontrollierten Gebieten massenweise Bibeln abwerfen.

Auf so eine Idee können auch nur Spinner wie Evangelikale kommen.

Es sollen aber keine dicken und schweren Bibeln aus Papier sein, mit denen die schwedischen Missionare die Muslime versorgen wollen, sondern digitale Bibeln. Sie sind so klein wie eine Medikamentenschachtel und haben einen kleinen Bildschirm. Sie benötigen keinen Stromanschluss, was sicher ganz praktisch ist, sondern enthalten vermutlich Batterien, um das Wort Gottes zu verkünden.

Die IS-Terroristen werden daraus nur Zeitzünder für Bomben bauen.

:roll:
 
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