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Filmtipps

Dieses Thema im Forum "Fernsehen, Kino und DVD" wurde erstellt von Tesla.N, 5. Februar 2003.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Halte ich auch für schlüssig. Der Mensch wird geprägt. Und auch der Werdegang der Ablehnung ist eine Prägung. Auch Nietzsche hat sich noch mit Religion befasst und seine Schlüsse gezogen, als er sich schon längst vom Glauben losgesagt hat und in Richtung Nihilismus steuerte. Dass der ursprüngliche "Marxismus" also messianischen Touch hatte, dürfte zu dem Zeitpunkt auch kein Zufall gewesen sein.
    Vielleicht sehen es einige Gläubige dort drüben auch so. Aber das ist auch die Konstruktion von dieser Dualität, dass man es so sehen kann. Geht man der paulinischen Linie nach, ist jeder amerikanische Präsident von Gott eingesetzt gewesen.
    Wo hast du das gehört? Sind Landeskirchen gemeint?
    Vielleicht sehen die hochrangigen Kirchenleute die Chance, in der Jugend für die eigenen Interessen zu baggern. Wenn also die Greta Thunberg nach Rom reist und den Papst trifft, wird er sich diese Chance nicht entgehen lassen. Auch Freikirchen fischen übrigens gerne unter Kindern und Jugendlichen.
    Das mag sein. Umwelt und Klima ist allerdings auch schon ziemlich lange Thema, jetzt könnte ein Hype folgen. Ja, vielleicht. Ich schaue allerdings auch kein Fernsehen.
    Amerikanische Unterhaltung - eher Film, oder auch Serien?

    In München scheint das Filmfestival in Gefahr zu laufen, in den kommenden Jahren aufgrund fehlender Gelder nicht mehr stattzufinden.
     
  2. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    In alternativen Medien gehört. In welchen, die davon ausgehen, dass die Thunberg und Veranstaltungen wie FridaysForFuture von Organisationen gelenkt werden, die in erster Linie ihre eigene Lobbyarbeit betreiben, und die Naivität der Kinder/Jugendlichen ausnutzen, um die Erwachsenen damit zu erpressen, um politische Lösungen im Sinne der Organisationen zu bewirken. Kirchentagspräsident Leyendecker hat neulich gemeint, dass Klimaleugner keinen Platz auf dem Kirchentag haben. Das mag kein Beweis dafür sein, dass in Kirchen Klimaschutz gepredigt wird, aber ist sicherlich ein Zeichen dafür, dass zumindest die Evangelische Kirche mit der aktuellen Laufrichtung konform geht. Und dann hörte ich noch was von der Ausübung der erzchristlichen Tradition des Malens von Vulven mit Kreide auf den Boden auf dem Gelände des Kirchentages. Da weiß ich gar nicht mehr, wen ich für bekloppter und am christlichen Thema vorbeischießender betrachten soll: die Christen, die in jeder Entwicklung gleich den Antichristen und die bevorstehende Rückkehr Jesu erkennen wollen, oder die Christen, die sich der aktuell herrschenden Klasse und Meinung anbiedern.

    Daran hatte ich noch gar nicht gedacht, und ich kann mir das gut vorstellen. Die hochrangigen Kirchenleute gehen vielleicht davon aus, dass wenn sie sich an die aktuell weitverbreitesten Ansichten anpassen, dann werden sie neue Gemeindeglieder damit werben können. Vielleicht kalkulieren sie auch ein, dass die Menge an neuen Gliedern größer sein könnte, als die Menge an Austritten.

    Eher Film, Serien im Prinzip nur, wenn sie mich richtig packen, wie momentan Twin Peaks. Ich schaue auch gerne YouTube-Videos über Filmthemen, von Fantheorien über z. B. die Bedeutungen der Twin Peaks-Geschichten, bis hin zu Hintergrundgeschichten, wie bestimmte Filme entstanden, welche Bedeutung sie im historischen Kontext haben, und vor allem, wie das Medium Film Geschichten mittels Bildkomposition, Tönen, Musik, Worten und der Montage all dieser Elemente erzählt.

    Scheint ein Trend zu sein, dass kulturelle Einrichtungen (genauso wie viele Sportvereine und Clubs) Gefahr laufen Pleite zu gehen, weil kein Nachwuchs mehr nachkommt, bzw. nicht genug Leute Interesse haben, um den Erhalt zu finanzieren, und Personal zu stellen. Und das ist für viele Menschen bedauerlich, vor allem für diejenigen, die viele, viele Jahre Zeit, Geld und Leidenschaft in ihr Hobby gesteckt haben. Ich bin auf der anderen Seite aber auch kein großer Freund davon, wenn kulturelle Einrichtungen und Vereine dann an den selben steuerlichen Tropf gehängt werden wie Banken und Kommunen unter diverse Schutzschirme, bzw. Hessenkassen gebracht werden.
     
  3. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Der Niko Paech hat sich etwas über diese junge Bewegung ausgelassen und meinte, dass die jungen Leute letztendlich auch wieder ihr eigenes Gewissen beruhigen wollen. Die anderen auffordern etwas zu tun, aber selbst seinen Lebensstil beizubehalten ist einfach (also zum Beispiel jedes Jahr ein neues Smartphone, Textilien zuhauf, to-go etc.).
    Als würden sie die eigene Verantwortung noch wegdrücken wollen. Wenn man es so sagen will: die "Future-Bewegung" ist Teil des Systems.
    Die Zahlen stehen hierzulande für die Großkirchen bedenklich schlecht. Das kann an vielen Dingen liegen, nicht zuletzt auch an den bedenklichen Umgang mit Missbrauchsskandalen. In dem Sinne, ja, ich denke, dass die Kirchen jede Möglichkeit ergreifen wollen (und müssen) um die Talfahrt, die weitergehen wird, abzumildern.
    Das ist ja auch sehr spannend. Wenn man sich heute Videos kauft, dann wird dieses Material gleich mitgeliefert. Die Produzenten wissen es durchaus, denn die Entstehung der Filme ist eine Geschichte für sich...
    Und zuvor haben schon die kultigsten Schuppen dichtgemacht. Und die Multiplexkinos haben etliche kleine Kinos verdrängt. Es ist freilich der Lauf der Dinge. Das Internet hat den Zugang zu Musik und Film von Grund auf verändert - und es wir so weitergehen.
     
  4. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Die "Future-Bewegung" ist Teil des Systems, vom System mit Informationen und Interpretationen versorgt, und vom System unterstützt und in Szene gesetzt. Ich finde allerdings, dass die FFF fehlgeleitet sind; FFF sollte sich nicht für die gewaltsame Deindustrialisierung der Industrieländer stark machen, sondern die sollten, wenn sie schon die Schule schwänzen, etwas Praktisches tun: Müll sammeln gehen. Mal kurz rüber in die Länder der zweiten und dritten Welt hopsen, und dort Müll sammeln gehen.

    Ja, das ist wahr, die Entstehungsgeschichten sind manchmal spannender als die Filme selbst. Wenn ich mir das nächste Mal neue Filme bestelle, will ich mir die Doku "Mein liebster Feind" über die Beziehung von Werner Herzog und Klaus Kinski besorgen. Ich will sehen, wie bekloppt Kinski wirklich gewesen ist. Davon gelesen habe ich schon. In "Eroberung des Nutzlosen" (rund um "Fitzcarraldo") schreibt Herzog, dass ihm Mitglieder einer der im Film mitspielenden Amazonas-Stämme vorgeschlagen haben, Kinski wegen seiner Tobsuchtsanfälle zu töten. Auf dem Cover der DVD-Hülle sieht man wie Kinski dem Herzog an die Gurgel geht. Mein Prädikat: höchst wertvoll und sehenswert.

    Der Trend, der sich momentan zeigt, ist dass die Leute seltener in's Kino gehen, weil sie das Kino-Erlebnis zuhause haben können, und ohne dabei von irgendwelchen laut fressenden, laut in den Film reinquatschenden Idioten gestört zu werden. Die Stunde der Streaming-Services scheint zu schlagen.
     
  5. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Ein spannender Satz. Denn damit würde sich die Frage stellen, was eine Bewegung bedeutet, die sich vom System absetzen will oder es von Grund auf erneuern möchte.
    Das könnte sie tun. Das könnte aber auch im Rahmen eines Umweltprojektes sogar an der Schule geschehen. Dort könnte man sich Gedanken machen, wie man an der Schule Müll vermeiden kann, vielleicht wieder gärtnert oder Energie spart. Könnten sogar Lehrer und Eltern mitspielen.
    Müllsammelaktionen gibt es allerdings - generationenübergreifend: in Bayern "rama dama" genannt.
    Dort packen es die Menschen manchmal auch selbst an. Ginge auch in der Kombi, wie es Reiseanbieter/Touristenführer anbieten: Reisen + Sammeln. Ist mancherorts ein funktionierendes Konzept.

    Also, der Herzog hat ja einiges erlebt, dass die Nachwelt spannend findet. Die Mitglieder des Stammes werden ihre noch ganz eigenen Gründe dafür gehabt haben, denn Kinski wird ihnen wie ein Verrückter vorgekommen sein, den ein unguter Geist gefangenhält. Hast du dir die Doku "Mein liebster Feind" schon besorgt?
    Mich würde ja auch "Begegnungen am Ende der Welt" interessieren - ein Dokumentarfilm über Menschen und Orte in der Antarktis.
     
  6. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    VIDEODROME
    David Cronenberg
    1983
    Horror, Sci-Fi, Thriller (laut IMDb)
    Psychologisch, (teils beschämender) Sozialkommentar

    Ich hatte mich lange gescheut, Videodrome zu schauen. In der Handlungszusammenfassung auf Netflix stand was von Folter, also habe ich die grafische Darstellung von Folter erwartet, und ich mag die grafische Darstellung von Folter nicht. Da aber Videodrome ein Film von David Cronenberg ist, ich bereits Naked Lunch gesehen habe, und mich die Geschichte dann doch zu sehr interessiert hat, habe ich mir den Film angeschaut.

    Anfangs dachte ich, der Film will einem die Botschaft unterschieben, dass die amerikanische Kultur viel zu sehr mit Fernsehen und Filme schauen beschäftigt ist, die Realität des eigenen Lebens mit der geschauten Realität vermischt, sogar vertauscht, die Scheinwelt zur Halluzination geworden ist. Ich dachte, okay, wieder so ein Film, der einem predigen will. Aber obwohl man eine solche Botschaft herauslesen kann, ist die Botschaft nicht der Mittelpunkt des Filmes, sondern dient als thematisches Sprungbrett in eine allmählich sich ausweitende Halluzination, die es dem Zuschauer immer schwerer macht, zu erkennen, was in dem Film real ist, und was eingebildet.

    Nun zur Folter. Ja, man sieht nackte, gefesselte Leiber, die von komplett vermummten Gestalten gepeitscht werden. Man hört auch Schreie. Man ist aber weit genug von den Ereignissen entfernt, um nicht allzusehr mit dem Leiden der Gefolterten konfrontiert zu werden. Ich schrieb ganz oben "(teils beschämender) Sozialkommentar". Und hier ist warum.
    Die Beschämung entsteht aus den Gefühlen, die der Film im Zuschauer gleichzeitig erweckt. Max Renn, TV-Chef eines Senders, der größtenteils Hardcore-Pornographie zeigt, entdeckt das verschlüsselt gesendete Videodrome-Programm, in dem Leute gefoltert und ermordet werden. Er denkt anfangs, dass es sich um ein klasse Programmformat irgendwo im Ausland handelt, dass er einkaufen will. (Die übliche sensationalistische Eskalation, was auch immer gezeigt wird, muß extremer werden, weil der vorhergehende Reiz nicht mehr die Gefühle im Zuschauer auslöst, die er konsumieren will.) In einem Fernseh-Interview, in dem Max Renn über sein TV-Programm befragt wird, trifft er auf Nicki Brand, die darauf steht, beim Sex misshandelt zu werden. Max und Nicki treffen sich zum Sex, und ab hier geht allmählich die Realität von sado-masochistischem Sex unter einwilligenden Erwachsenen in die Realität von Videodrome über. Max Renn herausfindet, dass Videodrome kein geskriptetes Programm ist, sondern eine Liveübertragung von Folter und Mord in einer US-Amerikanischen Stadt.

    Die Beschämung für mich entstand daraus, dass Nicki Brand sehr verführerisch in Szene gesetzt worden ist, was mich leicht angeregt hat. Dann die Sex-Szene mit Nicki und Max, in der Gewaltdarstellung und Sexdarstellung so vermischt worden sind, dass es kein Abturn wurde. Und danach dann erneut die nackten Leiber, die gefoltert werden, diesmal mit der Information, dass Folter (und Mord) real sind. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich eine gewisse Lust gespürt habe, die sich mit dem Horror der Gewalt verbunden hat, das Gefühl des Horrors aber dominiert hat. Der Film hat mich zu einem Zuschauer gemacht, der obwohl die Gedanken etwas anderes gesagt haben, in seinem Gefühl Gefallen hatte am Sado-Masochismus und der Folter, den der Film ihm gezeigt hat. Das fand ich beschämend, und einen perfekten Kommentar dazu, wie Medien einen subtil beeinflussen können. Ich mußte erstmal genau darüber nachdenken, was mir beim Schauen passiert ist.
    Fazit: Sehr sehenswert, wegen des psychologischen Effektes, der Selbsterkenntnis, der Unterhaltung, und nicht zuletzt auch wegen den praktischen Effekten, die einen an Naked Lunch erinnern. (Vermutlich auch an andere Cronenberg-Filme, aber ich kenne nur diese beiden.)
     
  7. gaia

    gaia Meister

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    Kann dass sein, dass Du den Anbieter verwechselst? Mein Netflix bietet Videodrome nicht an. Trotzdem danke für die Rezension. So eine Handlungsbeschreibung hätte mich auch abgeschreckt.
    Ich hab mich kürzlich an sence8 versucht. Das ist zwar eine Serie, aber das sind ja auch Filme, passen also auch hier her. Ich bin eher der Serien- Fan, besonders bei Netflix.
    Da habe ich aber ( mal wieder )abgerochen. Die Story hätte viel zu bieten gehabt, ich kam aber letztlich mit dem lockeren Umgang mit Drogen( zb Kiffen ist altmodisch, nimm lieber Pillen) nicht klar- und- obwohl ich LSBTG Themen insofern mag, als das sie in Filme/ Serien integriert sein sollten, wurde es mir dann doch zuviel.
    In der Story an sich soll es wohl um andere Menschen gehen die im Geiste verbunden sind und eine Art Familie bilden, sie sich jederzeit kontaktieren oder gegenseitig "übernehmen" können. Das war das auf eine bestimmte Art aufgebaut und sollte sicher Tiefgang vermittelt, weil da lauter Gegensätze vorhanden waren( Darstellung von Schuld und Unschuld zB) auch bildlich fand ich das teilweise sehr schön. Aber auch ein bisschen überzogen. Bzw hab ich mich irgendwann wie in einem Porno gefühlt und zwischendurch nach dem Genre gegoogelt. :) . Ich find das schade, weil ich da durchaus Potenzial gesehen habe. Auch was die Aufarbeitung von LSBTG Themen angeht( Verfolgung, Strafe, schlimme Behandlungsmethoden und Intoleranz).

    Eine positive Kritik habe hingegen für " A Handsmaid Tale"
    Das ist eine Serie, die auf dem Buch " Geschichte einer Magd" basiert. Da geht um eine Zukunft in der der Klimawandel seine Auswirkungen zeigt( zb Lebensmittelknappheit) und einen kleinen Staat innerhalb Amerikas oder dem was davon übrig ist. In dem Staat lebt man unter tausenden Verboten. Es sind nur gleichgeschlechtliche Beziehungen erlaubt, alles andere wird bestraft. Kinder sind eine Seltenheit- weltweit. Und in dem Staat werden Frauen, die Kinder bekommen können, als Mägde wie Sklavinnen gehalten und setzen die Kinder ihrer Herren in die Welt, sie haben nicht mam eigene Namen , sondern bekommen den ihrer Herren und ein Des- als Zusatz. Keine Frau darf arbeiten und lesen ist ihnen unter schwerer Strafe verboten.
    Letzlich geht es um den Weg der Auflehnung der Mägde( die gebähren sollen) und Marthas( das sind sowas wie Küchenmädchen und Köchinnen) und wies gerade ausschaut auch der Herrinnen und einiger Männer (in langsam zunehmender Zahl). Und es geht am Rande auch um den Umgang der restlichen Welt mit diesem Land, die aber vom Postiven des Staates ( Kinder) profitieren kann. Der Fortbestand der Menschheit könnte also von diesem Staat profitieren, weil sie Menschen heran züchten.
    Ich find die Serie extrem düster. Sie zeigt ingesamt die Aussichtslosigkeit mancher Menschen die in bestimmten Systemen gefangen sind- obwohl die ganze Welt davon weiß.
    https://de.wikipedia.org/wiki/The_Handmaid’s_Tale_–_Der_Report_der_Magd
     
    Zuletzt bearbeitet: 1. März 2020
  8. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Ich habe eben nachgeschaut, und Netflix hat Videodrome aus dem Programm genommen. Genauso wie Lost Highway, und Carpenter's The Thing von 1982.

    sense8, muß ich zugeben, kenne ich nur von den Johannes-Offenbarungs-YouTubern, die in Serien wie sense8 eine Botschaft über die von unseren okkulten Herren für uns gedachte Zukunft sehen, und darin eben auch Vorboten für die nahende Rückkehr Jesu sehen wollen. Das Übliche halt. Naja, jedenfalls klingt es vielversprechend, dass sich diese sense8-Famillie gegenseitig erfahren kann, die schlüpfen ja buchstäblich in die Haut eines anderen. Kann mich an was erinnern, in dem einer oder eine von denen in Gefahr ist, und der dann vom Karatekämpfer übernommen wird, und den Kampf gewinnt. Hmm, erinnert mich auch an eine Perry Rhodan-Geschichte, die ich mal angefangen hatte zu lesen. Da meldeten sich in dem Astronaut auch mehrere, unterschiedliche Stimmen, die irgendwie in ihm waren, und gleichzeitig außerhalb als eigene Identitäten. War eigentlich recht vielversprechend, aber aus irgendeinem Grund hatte ich dann keinen Bock mehr gehabt, weiterzulesen. :gruebel:

    Mir scheinen so viele Serien und Filme heutzutage extrem düster zu sein. Das ist ein Grund, warum ich kaum neuere Serien und Filme schaue. Man meint fast, es fehlt an einer positiven Vision von der Zukunft, oder wenigstens ein Zutrauen, dass die Zukunft lange nicht so düster aussehen muß, wie es sich anscheinend viele vorstellen. Andererseits braucht man nur mal rüber nach China schauen, mit deren Social Credit Score, und man bekommt den Eindruck, dass dort ein Real-Life-Dystopia entsteht. Schlimmer vermutlich als Filme wie Fahrenheit 451 (den von 1966, die neue Version kenne ich nicht) Dystopie darstellen: vom Staat erlaubte dümmliche, interaktive Fernsehprogramme, die den Zuschauern anraten, Wohlfühlpillen einzunehmen, die jegliche Motivation selber kreativ zu sein und was zu tun, nehmen. Verbot von Büchern mit subversivem Inhalt. Aber wenigstens endet der Film mit einer schönen Vision, nämlich dass der Staat zwar Bücher verbrennen kann, aber den Inhalt nicht, solange es Menschen gibt, die die Inhalte memoriert haben und weitergeben.
     
  9. gaia

    gaia Meister

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    Ja da wird wohl viel hineingelesen. Das hab ich auch gemerkt, als ich mit Kritik kam :) Inhaltlich: du verstehst die Serie halt nicht. Aber doch- ich sag ja die Idee ist gut, aber an der Umsetzung scheitert es. Da ist zu viel von allem. Man sieht auch innerhalb von ca 5 Minuten 8!!! Geburten, immer wieder aus der Hebammenperspektive- während die Frauen halt schreien und klassische Musik einen die Ohren beschallt. :lol:
    Letztlich habe ich dann auch angefangen weiter zu spulen, wenn es wieder eine 5 Minuten Sex Szene gab. Ds war mir auch zu überzogen- ansonsten komm ich ja schon mit Sex Szenen klar. Aber auch hier : too much.Zu künstlich. Das Thema Drogen ging mir auch in eine zu Positive Richtung. Hätte man thematisch besser bearbeiten können. So könnte man den Eindruck bekommen Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender werfen sich gern Pillen ein und seien deswegen cooler. Ich hoffe ich konnte das jetzt erklären. Sehr geärgert habe ich mich über die Szene in der der Vater einer der 8. it seinen ebenfalls älteren Musikerkollegen vorm Konzert einen Joint raucht und dann die Tochter fragt, was man heutzutage denn macht. Und sie dann einen Beutel blauer Pillen auspackt- worauf das Konzert sozusagen so gut wird, dass alle ihre Geburten wiedererleben.Das such ich schon nach der "Kunst" im Ganzen......:lol:
    Ja das stimmt das viele Serien düster gehalten sind- aber ich mag das ganz gern, wenn es gelingt auch Lichtblicke zu bringen und damit den Spanungsbogen zu halten. Ich bin auch immer hoch erfreut wenn mal eine Serie mit einem Happy End aufhört und schau dann zwischendurch auch extra mal eine leicht angekitschte Serie zum wieder aufmuntern.
    Ich bedauere auch den Trend, Serien offen und unbeantwortet enden zu lassen.(zB The Man In The High Castle)
    Das Tolle an Netflix ist ja, die unglaubliche Auswahl an Serien, auf die man sonst nie kommen würde.
     
  10. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    The Room
    Tommy Wiseau
    2003
    Drama (laut IMDb)

    Ich hatte viel über The Room gehört, vor allem, dass er ungewollt komisch ist. Der Film eines Menschen, der kein Gefühl für andere Menschen und Situationen hat. Der Film eines Selbstdarstellers mit übersteigertem Selbstwertgefühl.

    Ich war dann aber überrascht gewesen, wie leicht verständlich The Room dann doch gewesen ist. Die Geschichte eines Mannes, dessen Verlobte ihn nicht mehr liebt, die mit dem besten Freund des Mannes zusammen sein will, und die es nicht schafft, ihrem Verlobten die Wahrheit zu sagen. Oder? Denn eigentlich ist The Room doch die Geschichte dieses Mannes, der von allen betrogen und hintergangen wird, und der nichts daraus lernt. Oder? Denn eigentlich ist The Room doch die Geschichte dieser Frau, die Unglück über alle Charaktere bringt, weil sie die Dinge nicht klar stellt, sondern lieber schweigt und intrigiert. Oder? Johnny (Tommy Wiseau) bleibt im Großen und Ganzen passiv, er erleidet nur, zieht null Konsequenzen aus den klaren Anzeichen und sogar direktem Wissen über den tatsächlichen Zustand seiner Beziehung zu Lisa (Juliette Danielle). Lisa ist dagegen sehr aktiv, sie redet mit mehreren über diese Sache, bekommt Hinweise, wie sie mit der Situation umgehen sollte. Aber wie sollte sich irgendjemand in dieser Geschichte gegen das Schicksal stellen können, nicht wahr?

    Der Film wirkte auf mich wie ein erster Entwurf, in dem Tommy Wiseau alle Elemente, die für die Geschichte wichtig sind, niedergeschrieben hat, und die dann direkt verfilmt worden ist. Die Dialoge sind teils so befremdend, erst recht die Art, wie sich die Charaktere bewegen und wie sie miteinander umgehen. Dabei hat man das alles schon mal gesehen, der Film präsentiert nichts wirklich Neues. Aber so wie alles miteinander zusammengefügt worden ist - und damit meine ich wie alle Szenen aneinandergereiht worden sind, denn "miteinander" ist da nur wenig, vielmehr kann man die Zusammenlosigkeit fühlen - ist wahrlich ein außergewöhnlicher, einzigartiger Film herausgekommen. Kein Wunder, dass man neugierig wird, und herausfinden will, was man da gerade gesehen hat.
     
  11. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Double Down
    Neil Breen
    2005/2007
    Action, Thriller (IMDb)

    Die Identitätskrise eines US-Superagenten, der sich von der Welt isoliert, und von seiner Regierung distanziert hat. Es ist nicht ganz klar, ob sich Aaron Brand aus Gewissensgründen von seiner Regierung distanziert hat, oder ob ihn das erfolgreiche Attentat auf die Liebe seines Lebens, die in seinen Armen stirbt, in die Isolation in die Berge getrieben hat, wo ihm aufgefallen ist, dass er die kriminellen Umtriebe seiner Regierung nicht weiter unterstützen kann. Irgendwie scheint Aaron aber auch die Ansicht zu haben, dass die Menschheit an sich so bösartig ist, dass sie vernichtet werden sollte. Er bleibt trotz seines Gewissens aktiv und führt Regierungsaufträge für alle möglichen Regierungen durch. Aus irgendeinem Grund hat er dann zum Ende des Filmes hin die Erleuchtung, dass er sich selbst ändern muß, und verhindert die von ihm geplante und begonnene Terroraktion gegen Las Vegas geradeso im letzten Augenblick, indem er die führenden Köpfe der Geheimdienste und den Senator von Las Vegas zur Zusammenarbeit überreden kann.

    Dieser Handlungsstrang wird mehrere Male von Szenen unterbrochen, in denen Aaron Brand Introspektion betreibt, seine persönlichen Gefühle mitteilt, den Geistern seiner verstorbenen Eltern und seiner ermordeten Liebe begegnet, und Erinnerungen an sich und seine Liebe aus Kindheitstagen wiederholt erinnert. Die Geister scheinen ihm zu signalisieren, dass er ihnen folgen soll in das Reich der Toten, und tatsächlich entscheidet Aaron ihnen nicht zu folgen, sondern sein Leben umzukrempeln, seinen Beruf als Super-Agent aufzugeben, und seinem neuen, noch unentdeckten Leben entgegenzufahren.

    Der Film startet mit einem Flug der Kamera über den Wolken, und diese Bilder und die Musik, die man während des Fluges durch die Wolken und den sonnigen Himmel hört, eröffnet die Möglichkeit, dass Aaron Brand ein Wirken Gottes in seinem Leben zuteil wird. Es ist aber auch möglich, dass er sich selbst in einer Art messianischen Rolle sieht, für deren Erfüllung er durch seine eigenen persönlichen Leiden hindurch muß. Am End geht seine eigene persönliche Rettung mit der Rettung der Welt einher.

    Okay, so weit so gut. Ich fürchte, dass diese Zusammenfassung des Filmes besser klingt, als wie der Film die Geschichte präsentiert. Ich bin mir auch nicht so sicher, ob ich den Film empfehlen sollte. Er hat sich ziemlich hingezogen, was der Präsentation geschuldet ist, wie z. B. die endlosen Monologe, in denen Aaron Brand erzählt, wer er ist, und was er so alles kann, was Aaron Brand als eine lächerliche Figur erscheinen lässt, weil die Bilder etwas anderes zeigen. Ich fand den Film auch nicht annähernd so komisch wie The Room. Eine seltsame Situation, denn Double Down wirkt wie ein ehrlicher Versuch eines Menschen, der seine persönliche Krise filmisch darstellen will, vermutlich eher mit dem Ziel anderen Menschen Vorbild und Licht zu sein, also etwas, was Selbstdarsteller Tommy Wiseau wohl eher nicht vorgeschwebt ist. Und andererseits wirkt Double Down sehr seltsam, und ich kann nicht beurteilen, ob dieser Film für so etwas wie Filmtherapie geeignet ist.

    Muß wohl jeder selbst herausfinden...