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Globale Erderwärmung; stärker als erwartet!

Dieses Thema im Forum "Technik, Forschung und Entwicklung" wurde erstellt von WolArn, 1. Oktober 2005.

  1. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Lustigerweise habe ich gestern einen TED talk gesehen, der genau das zum Thema hatte: Die Fortschreitende Verwüstung weiter Landstriche (damit ist nicht die Verwüstung durch schadenbringende Aktivitäten des Menschen gemeint, sondern die Tendenz, dass Gebiete zur Wüste werden.)



    Der TED Talk ist von Allan Savory, der seit mehreren Jahrzehnten zum Thema Begrünung der Wüste forscht. Die Ergebnisse seiner Forschung:

    Hauptfaktor für die Verwüstung von ehemals grünem Land in trockenen Regionen der Erde ist das Fehlen großer Viehherden. Nimmt man Viehherden vom Land (Etwa indem man es zu einem Nationalpark erklärt und einzäunt), verwüstet das Land binnen weniger Jahre. Führt man wieder Viehherden auf das Land, kommt das Grün zurück.
    Dabei ist es unerheblich ob es sich bei dem Vieh um Elefanten oder Rinder handelt. Wichtig ist, dass die Biomasse durch die Verdauung aufbereitet wird, sodass sie in der nächsten Regensaison als Dünger (Kot und Urin) für Pflanzen zur Verfügung steht. Fehlt das Vieh, vergeht die Biomasse durch Oxidation (statt durch Fermentation), was erstens nicht nur wenige Stunden, sondern Jahre dauert, zweitens für nachfolgende Pflanzen keinen Dünger übrig lässt und drittens CO2 in die Atmosphäre entlässt. Eine natürliche Kompostierung, wie in feuchten Regionen der Erde beobachtbar, findet nur in sehr geringem Umfang statt, wenn überhaupt.
    Land, auf dem Viehherden umherziehen, kann also in der nächsten Wachstumsphase auf Nährstoffe zurückgreifen, die sonst nicht verfügbar wären. Zudem führt der Befraß dazu, dass Bruchstücke von Pflanzen den Boden bedecken und somit eine zu starke Erwärmung sowie eine zu starke Abkühlung verhindern. Außerdem kann Wasser besser gespeichert werden und verdunstet viel langsamer. Somit wird überhaupt erst die Grundlage geschaffen, dass Pflanzen sich dauerhaft ansiedeln können. Außerdem kann der Boden viel mehr Kohlenstoff binden. Man hat ausgerechnet, dass, würde man das trockene Drittel der Welt mit Hilfe von Viehherden "begrünen", man dadurch der Atmosphäre dauerhaft so viel CO2 entziehen kann, dass man auf nahezu vorindustrielle Konzentrationen zurück gelangen könnte - der Speichereffekt überwiegt den Treibhauseffekt der gasförmigen Ausscheidungen der Tiere bei Weitem.

    Die Ergebnisse wurden bereits auf 15 Millionen Hektar Land mehrfach reproduziert. Es konnte sogar gezeigt werden, dass nachhaltiger Ackerbau mit enormen Erträgen möglich war, nachdem ehemals wüste Gebiete durch Viehherden begrünt wurden. Die Ergebnisse haben also nicht nur für das Weltklima, sondenr auch für die Ernähung von hunderten Millionen von Menschen erhebliche Bedeutung.
     
  2. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Von der Natur lernt man nicht aus. Hat man kein Vieh und möchte seinen Boden trotzdem aufbessern, sollte man genau das tun. Pflanzen etwas schneiden und auf den Boden verteilen, oder um Pflanzen herum, man erzielt die von dir genannten Effekte. Letztendlich hat die Wiederbegrünung von Wüsten sehr viel damit zu tun, dass Boden gutgemacht wird und seine Speicherkapazität gesteigert wird.
    Auch hierzulande könnte man den Boden durch "Mulchen" ziemlich aufbessern. Ein Acker, der gerade ein Jahr Maismonokultur hinter sich hat, ist ausgelaugt und von seiner Bodenqualität einer Wüste vergleichbar. Wie der Boden hierzulande vielerorts bearbeitet wird und Dünger ausgefahren wird, zerstört den Boden und ein gesunder Humus kommt praktisch nie zustande. Lass dann noch eine Trockenperiode kommen und der Dustbowl ist perfekt.

    In trockenen Gebieten gehört es zu den Fehlern des Menschen, dass er die Ziegen frei walten lässt: sehr kritisch ist die Ziegenherde deswegen, da sie die Grasnarbe soweit zusammenfrisst, dass sie nicht mehr nachwächst und auch keinen Strauch auslässt und so sehr zur Verödung oder Verwüstung beitragen kann.
     
  3. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Im Grunde ist das nichts anderes als eine falsche Bewirtschaftung des Landes. Ein komplettes Kahlfressen kann mit jeder Viehherde geschehen (wohl insbesondere mit Ziegen). Grundpfeiler des oben erwähnten Konzepts ist, dass das zu bewirtschaftende Land in Parzellen unterteilt wird, und die Viehherden alle paar Wochen weiter getrieben werden. Dadurch wird verhindert, dass zu viel Pflanzenmaterial weggefressen wird, gleichzeitig wird ein größeres Gebiet gedüngt. Die Nacht verbringen die Viehherden in mobilen Einhegungen, dort wird der Boden mit besonders viel Nährstoffen angereichert. Zieht die Herde weiter, kann man diesen Platz als Acker nutzen.

    Aber nur zum Teil. Erstens ist das extrem arbeitsintensiv, immerhin geht es hier um Größenordnungen von mehreren hundert Hektar teils unwegsamen Geländes. Zweitens entsteht durch das reine Abschneiden kein für Pflanzen verwertbarer Dünger, weil die Biomasse nicht fermentiert wird. Das tote Pflanzenmaterial dörrt vor sich hin und zersetzt sich nur sehr langsam. Es hemmt in der nächsten Wachstumsphase sogar das Pflanzenwachstum. Drittens fehlen die Hufe der Tiere, die den oft hart gebrannten Boden auflockern und somit das Eindringen von Wasser erst ermöglichen. Viertens fehlt der Urin der Tiere, der Stickstoff, Phosphor und Wasser in den Boden einbringt.
     
  4. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Das zeigt, wie wichtig die biologische Artenvielfalt bzw. Biodiversität für unsere Welt ist. In Sachen Klimaerwärmung wird über das Übertreten der roten Linie diskutiert - und es steht wohl unmittelbar bevor. Aber in Sachen Biodiversität haben wir sie schon längst überschritten.
    Auch der Vogelkot zum Beispiel ist ein Muss für den Biokreislauf und für den Boden bzw. Dünger für die Pflanzen. So ist der Rückgang der Anzahl der Vögel ein riesiger Verlust...
     
  5. Natiaz

    Natiaz Anwärter

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    Du siehst es zu Lokal. Aus D gehen die Vögel langsam weg, in Süd und Mittelamerika leben sie wie im Paradies.
    Auch Bienen geht es gut, zu gut gerade hat meine Schwägerin ihr Nachbargrundstück von Afrikanisierten Bienen befreien müssen.
     
  6. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    In Süd- und Mittelamerika leben sie im Paradies, wo man ihnen die Natur lässt. Oder wo man es ihnen wiedergibt: gestern habe ich einen Artikel gelesen von einem Ehepaar, dass auf einem großen Landstück Bäume gepflanzt hat und in welchem dann auch die Tiere zurückgekehrt sind. Global würde ich sagen: die Arten stehen unter Druck und viele sterben "heimlich", einige werden wir möglicherweise nie kennenlernen.

    Aber wahrscheinlich kommen durchaus andere Arten von Süden nach Norden. Nicht nur Bienen, sondern zum Beispiel auch Mücken...
    Was die Bienen angeht: es gibt übrigens mehrere hundert Arten, die in Deutschland leben. Viele stehen deswegen unter Druck, da sie sich ziemlich spezialisiert haben. Das bedeutet, dass, egal wo man wirtschaftet, auf Artenreichtum achten sollte. Das geht auch in der Landwirtschaft.

    Hier ist der Artikel: 20 Jahre arbeitete ein Paar dafür, dass aus dieser kargen Fläche wieder ein Wald wurde.
     
    Natiaz gefällt das.
  7. Natiaz

    Natiaz Anwärter

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    Die Mücken und die Malaria breiten sich gen Norden aus, das siehst du richtig.
    Was oft nicht gesehen wird ist hoch der Grad des Nichtwissens ist wie Ignoranz im Deutschen genannt wird.
    Umwelt? Unkraut und Schlangen die zu nichts gut sind. Und es ist die sich entwickelnde Welt die dazu beiträgt das die Erde sich schneller wandelt.
     
  8. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Ganz sicher. Zum Beispiel auch durch Versiegelung von Flächen. In Deutschland sind es ungefähr 5,5 Prozent. Sehr viel Versiegelung macht der Transport aus.
    Oder der Anbau. Sicherlich: auch wenn zum Beispiel mehr Mischanbau praktiziert würde, wäre es immer noch vom Menschen beeinflusste Kultur, aber Mischanbau (zum Beispiel Agroforst) oder Waldgärten wären deutlich bodenfreundlicher und somit auch artenfreundlicher.
    Was die fremden Arten betrifft: sicherlich stecken da auch klimatische Veränderungen dahinter, aber auch der Transport. Das gilt insbesondere auch für Gewässer.

    Genau. Der Begriff "Unkraut" rückt viele Pflanzen, die erstaunlich nützlich sind und/oder sein können, ins ziemlich schlechte Licht. Deswegen gefällt mir der Begriff "Beikraut" besser.
     
  9. Natiaz

    Natiaz Anwärter

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    na ja dieses Jahr ist Brasilien der Führer der gerodeten Welt.
    Irgendwie ist es eigentlich wurscht denn aufhalten kann man es nicht. Womöglich besteht die Erde in unserer jetzigen Form noch 50 Jahre anstelle der 20 in der es schon zu heiß werden sollte.
     
  10. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Mit der neuen Regierung scheinen sie in Sachen Rodung noch einen Gang höher zu schalten.
    Du hast schon recht. Die Veränderung geht schnell und sie ist anhaltend. Andererseits ist die Frage aber auch, ob einerseits Verwüstung stattfindet, und gleichzeitig an anderen Orten durch andere Politik und Initiative durch Gesellschaft durchaus auch grüne Oasen entstehen (von denen man sich dann eine Scheibe abschneiden will, oder von denen man sich Spezialisten ins Land holt). Auch in Brasilien gibt es Leute, die Wald schaffen statt roden.
     
  11. Natiaz

    Natiaz Anwärter

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    Sicher gibt es die, nur leider zu wenig.
    Es gibt zu viele Menschen auf der Erde.
     
  12. haruc

    haruc Ehrenmitglied

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    Jetzt, wo alle über Brasilien herfallen, kurz zwei Gedanken zum Innehalten:

    1) Wir als Europäer haben eigentlich kein Recht, uns darüber zu echauffieren, denn wir haben selbst einen der größten Urwälder dieser Erde vernichtet: den Europäischen Wald. Um 1800 herum war der Wald teilweise so stark dezimiert, dass die Leute zum Heizen Möbel, Zäune und sonstige Bauwerke aus Holz verbrennen mussten. Heute ist Deutschland zu etwa 35% bewaldet, wobei es sich dabei fast ausnahmslos um bewirtschaftete Forste aus dem 19. Jahrhundert handelt. Lediglich im Harz gibt es noch einige Hektar Urwald, die nie bewirtschaftet wurden.

    2) Die Leute müssen von irgendwas leben. Für uns im fernen Europa ist es sicherlich wünschenswert, den Urwald zu erhalten, weil wir sehen, dass der Wald direkt mit dem globalen Klima in Verbindung steht. Für die Leute vor Ort stellt es sich aber so da, dass der Wald zwischen ihnen und dem Essen am nächsten Tag steht. Das ist eine existenzielle Frage für die Menschen dort. Vielleicht wäre es, anstatt Galle zu verspritzen, sinnvoller, sich zu überlegen, wie man den Menschen in BRasilien den Erhalt des Urwaldes wirtschaftlich attraktiv machen kann?
     
  13. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Es werden in den nächsten 100 Jahren nicht weniger. Vielleicht ist dann der Zenit erreicht.
    Der Rivale hat dazu mal ein Thema eröffnet: Globale Einführung einer 2-Kind-Politik dringend notwendig
    Darüber wurde lebhaft diskutiert. In einer ZEIT-Debatte wurde dies in online auch vorgeschlagen - vielleicht steckte der Rivale dahinter. So eine Politik geht eben nur mit erheblichen Menschenrechtsverletzungen einher. Andere Faktoren führen zu einer automatischen Abnahme der Fertilität. Nun hat zum Beispiel China ein 1,X-Problem.

    Ein Großteil wird für die Weidewirtschaft abgeholzt. Und Brasilien wächst immer noch. Es sieht so aus, dass Umweltschutz dem Wirtschaftswachstum (und Versorgung) untergeordnet wird. Allerdings spielt auch der Schutz indigener Bevölkerungen auch noch seine Rolle. Sorgen damit nicht Gesetzesgrundlagen dafür, dass nur bestimmte Prozentanteile (von Großgrund) entwaldet oder nutzbar gemacht werden dürfen?