Die Seinsfrage

Shishachilla

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benicio schrieb:
das mit den tieren und ob sie bewusstsein besitzen ist schon eine interessante fragestellung... die vielleicht rückschlüsse darüber geben könnte was bewusstsein überhaupt ist.
[...]
die bewusstseinsanteilen schwanken über die spanne eines tages ziemlich heftig, mal überwiegen die bewussten anteile mal die unbewussten.
und in egal welchem zustand wir uns befinden, so sind wir im alltag funktionstüchtig.
Bis jetzt:

benicio schrieb:
dass sie ganz überspitzt gesagt viel mehr zeit im unbewussten verbringen und uns deshalb wie reflexmaschinen vorkommen? oder gar überwiegend im unbewussten existieren?
Eben, sie haben kein Bewusstsein, leben überwiegend (die "höheren" Tierarten) oder nur (alle anderen) im Unbewussten!
benicio schrieb:
bei uns menschen finden wir doch auch ähnliche fälle vor... denkt man da nur an autistische menschen, bei denen individuel verschieden ausgeprägt eine bewusstseinstörung festzustellen ist.
Da wär ich jetzt mal nicht ganz so forsch. Gerade bei Autisten, bei denen man noch nicht mal weiß was in ihnen vorgeht sollte man nicht unbedingt sagen, dass sie im Unbewussten leben. Bis jetzt ist nur bekannt, dass sie unter Wahrnehmungs- und Sinnesstörungen leiden.
benicio schrieb:
Hoffe ich bin nicht allzu off... aber kann man das wenn es um DIE frage aller fragen geht?

grüsse
Würd sagen das war doch noch voll im Rahmen oder? Finde auch, dass das Bewusstsein zur Debatte steht wenn wir über die Frage des Seins sprechen. :wink:
 

the_midget

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Shishachilla schrieb:
Würd sagen das war doch noch voll im Rahmen oder? Finde auch, dass das Bewusstsein zur Debatte steht wenn wir über die Frage des Seins sprechen. :wink:
Das Wort Sein steckt ja auch im Wort Bewusstsein. Was ich nicht verstehe ist allerdings, warum das Phänomen Geist zwingendermassen mit etwas metaphysischem/übersinnlichem zu tun haben soll.

Für mich ist es genauso denkbar, dass Geist eine Art Funktion ist, die aus dem Zusammenspiel unserer verschiedenen Gehirnbereiche, unserer Wahrnehmung und unserer Umwelt entsteht.

Demzufolge denke ich auch nicht, dass Lebewesen mit geistigen Funktionen (=Menschen) Lebewesen ohne oder mit deutlich wenigeren geistigen Funktionen (=Tiere) gegenüber Überlegen oder höherwertig sind. Für mich sind das nur unterschiedliche Seins-Strategien.

Was das Bewusstsein von Tieren angeht, ist es nicht leicht für die Wissenschaft darüber aussagen zu gewinnen. Alles was sich empirisch beobachten lässt, muss interpretiert werden - aber eindeutig feststellen lässt sich das nicht. Wie ja bereits gesagt wurde, scheiden sich da ja beim Menschen schon die Geister, sofern vorhanden ;-).

Vor kurzem habe ich eine sehr interessante BBC Doku gesehen, bei der es darum ging, wie anders Tiere die Welt wahrnehmen. Haie und Stachelrochen zum Beispiel nehmen die Umwelt der Doku zufolge hauptsächlich über elektrische Ströme war. Das ganze war auch sehr anschaulich visualisiert und hat mich ziemlich ins Grübeln gebracht. Wenn doch die Wahrnehmung so wichtig für das Bewusstsein ist, und Tiere oftmals eine völlig andere Wahrnehmung zu haben scheinen als wir, so erscheint es nicht allzuweit hergeholt, dass sie auch über eine völlig andere Art von Bewusstsein verfügen.

Allerdings heißt das auch, dass die möglicherweise vorhandenen geistigen Funktionen von Tieren nicht mit denen des Menschen zu vergleichen sind. Ich tendiere dazu, dass Potential des menschlichen Bewusstseins doch für etwas komplexer einzuschätzen, einfach auch deshalb weil das Verhalten von Tieren sehr viel einfacher vorhersehbar als das des Menschen zu sein scheint. Allerdings haben Menschen aber auch ein größeres Handlungspotential in meinen Augen, was wiederum möglicherweise auf eine entsprechend höhere (nicht höherwertige) Komplexität des Geistes schließen lässt.


gruß

midget
 

Shishachilla

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the_midget schrieb:
Was ich nicht verstehe ist allerdings, warum das Phänomen Geist zwingendermassen mit etwas metaphysischem/übersinnlichem zu tun haben soll.
Geist hat ja jetzt auch nix mit unserem Sein/Dasein/Bewusstsein zu tun. Der Thread fragt nach dem Sein. Eben hatten wirs darüber, inwieweit das Bewusstsein in die Frage eingreift. Das Dasein alles Seienden allerdings hat damit recht wenig zu tun. Der von dir angesprochen "Geist", die Seele des Menschen/Säugetiers ist je nach Einstellung/Glauben zu erklären. Wissenschaftler aber auch "Nicht-Wissenschaftler" erklären es ganz wissenschaftlich: Der Geist, die Seele, die einen Charakter ausmacht, wird belebt durch eine endlose Reihe von elektrischen Schaltungen im Gehirn (*nichtnäherdraufeingehenwillsindjanichtimmedizinforum* :wink: ).
Wer nicht daran glaubt, erklärt es sich meist mit etwas Metaphysischem oder aus den verschiedenen Religionen Abgegriffenem, was sich leichter erzählen aber schwerer erklären lässt.
the_midget schrieb:
Für mich ist es genauso denkbar, dass Geist eine Art Funktion ist, die aus dem Zusammenspiel unserer verschiedenen Gehirnbereiche, unserer Wahrnehmung und unserer Umwelt entsteht.

the_midget schrieb:
Demzufolge denke ich auch nicht, dass Lebewesen mit geistigen Funktionen (=Menschen) Lebewesen ohne oder mit deutlich wenigeren geistigen Funktionen (=Tiere) gegenüber Überlegen oder höherwertig sind. Für mich sind das nur unterschiedliche Seins-Strategien.
Naja, überlegen doch, aber eindeutig, höherwertig is immer die Frage von welcher Seite man das betrachtet...
the_midget schrieb:
Was das Bewusstsein von Tieren angeht, ist es nicht leicht für die Wissenschaft darüber aussagen zu gewinnen. Alles was sich empirisch beobachten lässt, muss interpretiert werden - aber eindeutig feststellen lässt sich das nicht. Wie ja bereits gesagt wurde, scheiden sich da ja beim Menschen schon die Geister, sofern vorhanden ;-).

the_midget schrieb:
Allerdings heißt das auch, dass die möglicherweise vorhandenen geistigen Funktionen von Tieren nicht mit denen des Menschen zu vergleichen sind. Ich tendiere dazu, dass Potential des menschlichen Bewusstseins doch für etwas komplexer einzuschätzen, einfach auch deshalb weil das Verhalten von Tieren sehr viel einfacher vorhersehbar als das des Menschen zu sein scheint. Allerdings haben Menschen aber auch ein größeres Handlungspotential in meinen Augen, was wiederum möglicherweise auf eine entsprechend höhere (nicht höherwertige) Komplexität des Geistes schließen lässt.
Dazu tendiere ich tendenziell auch :lol: *gg*
 

Bloody2k

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Für mich ist der Sinn im Leben(und somit auch dem Sein), dem Leben einfach einen Sinn zugeben. Meinen ganz persönlichen Sinn.

Wir sind, weil die Gesetzmäßigkeiten unseres Universums Leben in unserer Form zulassen. Atome würde es nicht geben, wenn in unserem Universum z.B. mehrere 100 Millionen Grad herschen würden.
Da dies nicht der Fall ist, zumindestens nicht überall, gibt es Atome (natürlich müssen auch noch andere Gegebenheiten für das Sein von Atomen vorhanden sein)
Wenn beispielsweise ein Proton nur ein Millionstel Millionstel Gramm schwerer wäre, würde es in ein Neutron zerfallen und keine stabilen Atome könnten sich bilden.
Wäre die starke Kernkraft nur etwas stärker, würde sich aus Fusion keine Energie gewinnen lassen, da die Atome zu stabil wären, als dass sie von großen Gasansammlungen, den Sternen (bzw. durch deren Gravitation)
verschmolzen werden könnten.
Alle Dinge, die nicht durch physikalische Gesetze verboten oder unmöglich sind passieren zwangsläufig. Es ist zumindestens Möglich, dass sie passieren, wenn dafür genügend Zeit ist. Leben kann auch nur existieren, wenn Atome mehrere 100 Millionen Jahre stabil sind. Ansonsten könnten sie keine komplexen Verbindungen eingehen, die für Leben(so wie wir es kennen) unbedingt notwendig sind.
 

Shishachilla

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Ich weiß jetzt zwar nicht wie oft ich es noch erklären muss aber


Ja, es gibt einen Unterschied zwischen Sein und Seiendem..... zur Not:
hier
zweite Zeile bitte...
 

WolArn

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@the_midget,

den Geist, den Du meinst, ist dann unser Gedächtnis. :gruebel: Und wir sind uns bewust weil wir denken? Nicht weil wir fühlen? Ist das Bewustsein nicht eher ein Gefühl als ein Gedanke? Genau so bei den Tieren, die ja anscheinend nicht so denken können wie wir, aber fühlen können.
Allerdings heißt das auch, dass die möglicherweise vorhandenen geistigen Funktionen von Tieren nicht mit denen des Menschen zu vergleichen sind. Ich tendiere dazu, dass Potential des menschlichen Bewusstseins doch für etwas komplexer einzuschätzen, einfach auch deshalb weil das Verhalten von Tieren sehr viel einfacher vorhersehbar als das des Menschen zu sein scheint. Allerdings haben Menschen aber auch ein größeres Handlungspotential in meinen Augen, was wiederum möglicherweise auf eine entsprechend höhere (nicht höherwertige) Komplexität des Geistes schließen lässt.
...demnach wäre unser Bewustsein nicht komplexer, und hätte auch nichts mit unseren Fähigkeiten zu tuen.

Und wenn wir annehmen, daß etwas von uns überlebt, wenn unser Körper mal stirbt, ist es doch bestimmt nicht der Gedanke, daß ich ein Bewustsein habe. Denn das Gehirn funktioniert ja dann auch nicht mehr. Das kann dann also auch nicht mehr denken, daß ich bin.
Was ist dann das Gefühl? Wird fühlen gedacht? Ich glaube nicht. Aber ich fühle, daß ich fühle, also bin, und das auch wärend dem und nach dem sterben, denke ich.
Es würde also nur das Gefühl überleben, und das wäre nach meinem Glaube das Geistige.
 

Shishachilla

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wolarn schrieb:
Aber ich fühle, daß ich fühle, also bin, und das auch wärend dem und nach dem sterben, denke ich.
Genau :wink: , denkst du, und andere denken da anders, glauben nicht an ein "Leben" nach dem Tod. Wie du schon richtig sagtest:
wolarn schrieb:
Denn das Gehirn funktioniert ja dann auch nicht mehr. Das kann dann also auch nicht mehr denken, daß ich bin.
Ich bin der Auffassung dass ich/wir dann nicht mehr bin/sind. Aber da überlasse ich jeden seinem Glauben. Hat aber meiner Meinung nach auch noch immer nichts mit dem Sein zu tun, vllt teilweise mit dem Bewusstsein. Und das Bewusstsein stirbt imo eben dann auch, wenn das Gehirn/"der Geist" stirbt. Eben dann sind wir auch nicht mehr (Abgesehen vllt von unserem Körper, der dann mehr oder weniger langsam verrottet, aber eben nur noch gewöhnlicher Bestandteil des Kreislaufs ist, ohne "Innenleben"/"Geist"/klitzekleinen Stromschlägen, die die kleinen "Kondensatoren" aufladen und uns helfen zu sein... :D

Genau durch diese Diskussion hier beweisen wir, dass wir ein Bewusstsein haben. Und ich würde sagen, damit sind wir auch, wir sind uns nicht nur selbst bewusst, sondern teilen dies auch noch mit anderen, wodurch wir sind.
 

the_midget

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WolArn schrieb:
@the_midget,

den Geist, den Du meinst, ist dann unser Gedächtnis. :gruebel:
Nein. Mehr als das.

Und wir sind uns bewust weil wir denken?
Nicht nur. Wir sind uns zum Beispiel auch Bewusst, dass wir denken. Glauben wir zumindest.

Nicht weil wir fühlen?
Doch auch. Und wir sind uns ja auch bewusst, daß wir fühlen.
Mit Gehirnbereichen meinte ich natürlich auch jene, die für Gefühle und Empfindungen zuständig sind. Das spielt also alles mit rein.

...demnach wäre unser Bewustsein nicht komplexer, und hätte auch nichts mit unseren Fähigkeiten zu tuen.
Dem Gedankensprung kann ich leider nicht folgen. Wäre toll, wenn du ihn nochmal genauer erläuterst.

Und wenn wir annehmen, daß etwas von uns überlebt, wenn unser Körper mal stirbt, (...)
Das kann man annehmen oder auch nicht. Für mich ist diese Frage eigentlich nicht relevant.

Was ist dann das Gefühl? Wird fühlen gedacht? Ich glaube nicht. Aber ich fühle, daß ich fühle, also bin, und das auch wärend dem und nach dem sterben, denke ich.
Dem halte ich entgegen, dass das Fühlen genauso eine biologische Grundlage hat wie das Denken. Insofern sehe ich auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass eins von beiden den Tod überdauert.


gruß

midget
 

WolArn

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the_midget schrieb:
...demnach wäre unser Bewustsein nicht komplexer, und hätte auch nichts mit unseren Fähigkeiten zu tuen.
Dem Gedankensprung kann ich leider nicht folgen. Wäre toll, wenn du ihn nochmal genauer erläuterst.
Weil ich meine, das Bewustsein ist ein Gefühl, und das ist nicht komplexer als bei Tieren. Und das Gefühl dann auch nichts mit unseren Fähigkeiten zu tuen hat.

the_midget schrieb:
Dem halte ich entgegen, dass das Fühlen genauso eine biologische Grundlage hat wie das Denken. Insofern sehe ich auch keinen Anhaltspunkt dafür, dass eins von beiden den Tod überdauert.
Aber genau daran glaube ich nicht, sondern daß das Gefühl des BewustSEINs überlebt, oder schon immer gelebt hat.
 

the_midget

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WolArn schrieb:
Weil ich meine, das Bewustsein ist ein Gefühl, und das ist nicht komplexer als bei Tieren. Und das Gefühl dann auch nichts mit unseren Fähigkeiten zu tuen hat.
Na ja, für mich ist Bewusstsein eben sehr viel mehr als das. Scheint als hätte ich von vornherein eine komplexere Vorstellung von Bewusstsein als du. Ich denke schon, dass es auch auf der Gefühlsebene Komplexitätsunterschiede zwischen Menschen und Tieren gibt. Aber das ist a) zu sehr offtopic denke ich und b) kann ja jeder denken was er will.

gruß

midget
 

WolArn

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the_midget schrieb:
Na ja, für mich ist Bewusstsein eben sehr viel mehr als das.
Ein Baby, das gerade zur Welt gekommen ist hat auch ein Bewustsein. Unterscheidet sich dieses Bewustsein von dem Bewustsein, wie Du es Dir vorstellst, eben mit sehr viel mehr, als nur dieses "Ich bin"?
Kann denn dieses Baby überhaupt denken "Ich bin"? Oder kann man sich das Bewustsein gar nicht vorstellen, oder auch gar nicht fühlen? Und wir denken uns einfach, "Ich bin" ist das Bewustsein, und wenn ich mich zwicke, fühle ich, daß ich das bin, der sich da weh tut.
Aber wenn man das Denken und das Fühlen anhalten könnte, z.B. mit der Meditation, bin ich mir immer noch Bewust, denke ich. Denke aber nicht mehr "Ich bin", habe aber immer noch dieses "Ich bin"-Gefühl, weil das Bewustsein vielleicht das einzigste Gefühl ist, welches man gar nicht anhalten kann, und von dem ich behaupte das es überlebt, und nachdem unser Körper gestorben ist, und das Bewustsein in eine andere Welt geboren wird, und sich dort ,ähnlich wie beim Baby in dieser Welt, erst mal wieder kennen lernen muß, sich bewust werden muß, damit es wieder "sehr viel mehr" als nur das Gefühl "Ich bin" wird.
 

Shishachilla

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wolarn schrieb:
Ein Baby, das gerade zur Welt gekommen ist hat auch ein Bewustsein.
Naja, da wär ich mir jetzt nicht so sicher. Ich denke das Bewusstsein entwickelt sich in den ersten Lebens-monaten/-jahren. Ich glaube nicht, dass es von Anfang an da ist, wie könnte man das auch belegen. Is jedenfalls ziemlich schwer sich mit nem Säugling zu unterhalten, und wie es war als man selbst Säugling war, ich denke das weiß kein Mensch mehr....
 

holo

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Aus aktuellem Anlass ;-) :

Versetzt euch mal in die Lage eines Säuglings. Stellt euch vor, dass er noch nicht sein Spiegelbild erkennt. Was nimmt er wahr? Fragmente seines Körpers.
Ein Säugling kennt keine eigene Nase oder eigene Ohren - es hat diese Dinge nur bei anderen Menschen gesehen.
Unser Kind ertastet meine Ohren; kneift mir in die Nase ... vielleicht hat es geholfen, dass ich das mit ihr vor dem Spiegel abermals vollzog. "Meine Nase, deine Nase" - und das über das Spiegelbild.
So wird es dem Säugling eher gelingen, sein "Sein" als Ganzes zu begreifen, denke ich.

Aber auch ohne sich selbst mit Nase und Ohren zu begreifen fordert das Kind, ist bockig, versucht sich über meine Mahnungen hinwegzusetzen, reißt die Trinkflasche an sich (im 9. Monat wollte sie unbedingt die Flasche allein halten - jetzt lehnt sie die 3-er komplett ab) ...
man kann so vieles beobachten und auch so manches Mal ertappe ich mich dabei, ihre Entwicklung aus Sicht der Evolution zu bestaunen.


Gruß
Holo
 

the_midget

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WolArn schrieb:
the_midget schrieb:
Na ja, für mich ist Bewusstsein eben sehr viel mehr als das.
Ein Baby, das gerade zur Welt gekommen ist hat auch ein Bewustsein.
Ich denke zu den ersten Dingen die ein Mensch lernen muss, gehört es zu realisieren, dass es ein Außen und ein Innen gibt. Die erste Herausforderung des Lebens ist es herauszufinden, dass es eine Umwelt gibt, einschließlich anderer Personen (mit anderen Wünschen und Bedürfnissen als ich, wobei man diese Wünsche und Bedürfnisse natürlich auch erst mal deuten lernen muss) und eben einen selbst. Bevor man das nicht kapiert hat, hat man auch kein Bewusstsein. Denn wie soll jemand sagen: "Ich bin" wenn er nicht sagen kann: "Du bist." oder "Das ist.". Bevor man das begreift ist das Leben nur ein Wust aus Reizen und Bedürfnissen.

Ein Neugeborenes hat also meiner Ansicht nach nur ein ganz rudimentäres Bewusstsein, dass sich eher in seiner zukünftigen Entfaltung manifestiert als gleich nach der Geburt. Wobei ich nicht ausschließen möchte, dass dieser Prozess schon vor der Geburt seinen Anfang findet.

Unterscheidet sich dieses Bewustsein von dem Bewustsein, wie Du es Dir vorstellst, eben mit sehr viel mehr, als nur dieses "Ich bin"?
Wie gesagt, aus meiner Perspektive ist das "ich bin" etwas, das ein Neugeborenes erstmal lernen muss. Das Bewusstsein eines Neugeborenen unterscheidet sich also nicht nur, sondern ist quasi ein Vorzustand von einem "Ich bin" Bewusstsein.

Aber wenn man das Denken und das Fühlen anhalten könnte, z.B. mit der Meditation, bin ich mir immer noch Bewust, denke ich.
Ich habe noch nie meditiert, aber ich glaube Meditation ist der Versuch genau den Zustand, den man als Neugeborener hatte (oder sogar davor, also noch im Bauch) wiederherzustellen. Also genau das Gegenteil von Bewusstsein, was aber sicherlich sehr lehrreich für das Bewusstsein sein kann. Ich denke übrigens auch, dass manche Menschen aus diesem Grund bestimmte Drogen nehmen - oder sich in Religion vertiefen. Aus meiner Sicht ist das Gefühl, auf das du vermutlich abzielst gerade etwas anderes als Bewusstsein, nämlich sein, oder eben seiendes. Das Gefühl, das man vermutlich hatte als man noch im Bauch der Mutter war. Eigentlich hatte man nicht dieses Gefühl, sondern man war es. Das sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Gefühl weiter bzw. wieder besteht, wenn man stirbt.

Ich denke auch, dass dies der Hauptgrund für alle Vorstellungen von Seele oder Gott ist - ein Bewusstsein, das sich daran erinnert, dass es einmal nicht war.


gruß

midget
 

WolArn

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the_midget schrieb:
Aus meiner Sicht ist das Gefühl, auf das du vermutlich abzielst gerade etwas anderes als Bewusstsein, nämlich sein, oder eben seiendes. Das Gefühl, das man vermutlich hatte als man noch im Bauch der Mutter war. Eigentlich hatte man nicht dieses Gefühl, sondern man war es. Das sagt aber nichts darüber aus, ob dieses Gefühl weiter bzw. wieder besteht, wenn man stirbt.
Ja, dieses Gefühl was Du "sein" oder "seiendes" nennst, habe ich als das Bewustsein verstanden. Ok, dann ist es halt unbewust. Es existiert aber, und diese Existens bin ich, war ich und werde es immer sein.
Und das dieses "Sein" weiter besteht, wenn man stirbt, kann man eigendlich nur glauben. Dieser Glaube wird dann aber auch bekräftigt, wenn man z.B. von all diesen Nahtoderlebnissen, Astralreisen (OBE), oder von sogenannten "Sehern" die aus dem Jenseits berichten, liest; und/oder duch Drogenerfahrungen.
 

Shishachilla

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wiki schrieb:
Die Medizin deutet die Erlebnisse als Halluzinationen, die in erster Linie durch die DMT-Ausschüttung im Gehirn des klinisch Toten hervor gerufen werden. Die Untersuchungen [1] haben ergeben, dass Versuchspersonen, denen hohe Dosen von DMT intravenös zugeführt wurden, von Nahtodeserfahrungen und mystischen Erlebnissen berichteten. Auch unter LSD-Einfluss kommt es zu vergleichbaren Halluzinationen. Weitere Untersuchungen an Piloten und Astronauten, die hohen Beschleunigungen ausgesetzt gewesen sind und dabei für kurze Zeit ihr Bewusstsein verloren haben, berichten von ähnlichen Wahrnehmungen.
Solche Erfahrungen sind chemische Notstandsreaktionen im Gehirn. Und dass diese bei allen Erlebnissen ähnlich waren liegt womöglich daran, dass alle Erlebnisse von Menschen kommen, und bei allen Menschen in etwa ähnliche Vorgänge im Gehirn zustande kommen. An Nahtoderfahrungen finde ich jetzt nichts, was mich an ein Leben nach dem Tod glauben ließe.

Edit: sorry, ganz vergessen: http://de.wikipedia.org/wiki/Nahtod-Erfahrung
 

WolArn

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Shishachilla schrieb:
wiki schrieb:
Die Medizin deutet die Erlebnisse als Halluzinationen, die in erster Linie durch die DMT-Ausschüttung im Gehirn des klinisch Toten hervor gerufen werden. Die Untersuchungen [1] haben ergeben, dass Versuchspersonen, denen hohe Dosen von DMT intravenös zugeführt wurden, von Nahtodeserfahrungen und mystischen Erlebnissen berichteten. Auch unter LSD-Einfluss kommt es zu vergleichbaren Halluzinationen. Weitere Untersuchungen an Piloten und Astronauten, die hohen Beschleunigungen ausgesetzt gewesen sind und dabei für kurze Zeit ihr Bewusstsein verloren haben, berichten von ähnlichen Wahrnehmungen.
Solche Erfahrungen sind chemische Notstandsreaktionen im Gehirn. Und dass diese bei allen Erlebnissen ähnlich waren liegt womöglich daran, dass alle Erlebnisse von Menschen kommen, und bei allen Menschen in etwa ähnliche Vorgänge im Gehirn zustande kommen. An Nahtoderfahrungen finde ich jetzt nichts, was mich an ein Leben nach dem Tod glauben ließe.

Edit: sorry, ganz vergessen: http://de.wikipedia.org/wiki/Nahtod-Erfahrung
Das diese Antwort kommt, habe ich auch so erwartet. Habe mich persönlich aber auch nicht intensiv mit Nahtoderfahrungs-Berichten beschäftigt. Aber das sind ja auch alles nur "Nahtoderfahrungen" gewesen, wobei ja keiner wirklich gestorben ist, und keiner weiß, was danach kommt.
Und was sind diese Astralreisen, wo man sich von seinem Körper trennt, also sich außerhalb seines Körpers wahr nimmt?
Wobei mich persönliche Astralreisen auch nicht interessieren, weil ich ja eh an das Weiterleben glaube, und ich sowieso irgendwann mal meine "Astralreise" ins Jenseits unternehmen muß.
 

WolArn

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Shishachilla schrieb:
Sie interessieren dich nicht, weil du es eh erleben wirst????? :O_O:
Ich wüßte nicht was am Sterben interessant wäre, oder welchen Sinn Astralreisen hätten, außer die Neugierde zu befriedigen.
Oder würde mir eine Nahtoderfahrung das Sterben einfacher machen? Ich glaube nicht, und will hier und jetzt nicht sterben, oder aus meinem Körper treten, sondern mein Leben meistern. Sterben (aus meinem Körper treten) muß ich sowieso irgendwann einmal.
 
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