Arbeitszeiten in Deutschland

Azariel

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Wenn ich mich in meiner Firma umschaue, fällt mir folgendes auf:

Wir haben offiziell die 35Std. Woche, allerdings sind die Arbeiter dort derart motiviert, dass ich folgende Rechnung aufgestellt habe:

Angefangen wird grundsätzlich 5min. nach dem regulären Arbeitsbeginn, die Pausen werden, 10-15min. früher begonnen und wieder 5min. zu spät beendet. Macht bei zwei Pausen, 35min. unproduktive Zeit. Dazu kommen noch die Raucherpausen, rechnen wir mit 1Kippe/h und 7min./Kippe macht das bei 7,5Std = 52,5min. Rauchzeit PRO TAG!!! Der Feierabend fängt auch nochmal 20-30min. früher an, wer bis zum Schluss arbeitet muss sich diverse Sprüche gefallen lassen ("Streber" gehört zu den harmlosen...).
Pro Tag gehen der Firma also 112,5 min. verloren!!! Das ganze macht dann pro Woche 562,5min.,oder 9,375h!! In einem Monat 2250min. die gefaulenzt und verbummelt werden!!! Das entspricht 37,5h, d.h. eine Woche pro Monat werden diese Faulen Säcke bezahlt obwohl sie vollkommen unproduktiv sind!!!

Man kann also den Arbeitgebervertretern nicht vorwerfen, dass sämtliche Aussagen an den Haaren herbeigezogen wären.

Findet jemand Fehler in meiner Rechnung, berichtigt mich bitte. Ich hoffe sogar, dass ich mich irre, denn das ist ein Skandal!!
 

Woppadaq

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@Azariel

Ist dir eigentlich klar, wie unglaublich unproduktiv im Vergleich zum Geld der Manager eines Betriebes ist ? Dagegen ist deine Rechnung ein Lacher !

Zitat Robert X. Cringely "Unternehmen Zufall":
Der Ehrgeiz eines jeden Angestellten bei IBM ist es offenbar, es bis zum Manager zu bringen, und die Firma unterstützt sie hierbei, indem sie Management zu ihrem wichtigsten Unterfangen macht. Leitende Angestellte bei IBM entwerfen keine Produkte oder schreiben Software, sie managen den Entwurf und das Schreiben der Software. Sie gehen zu Besprechungen. Überhaupt wird soviel Energie darauf verwendet, all die Manager zu managen, daß eigentlich kaum jemand übrig bleibt, der die wirkliche Arbeit macht. Das hat zur Folge, daß der größte Teil der IBM-Hardware und fast die ganze Software der untersten Kategorie von Angestellten gemacht wird - von Trainees nämlich. Alle anderen sind viel zu beschäftigt, um zu Besprechungen zu eilen, zu managen oder zu lernen, wie man ein Manager wird - kurzum, niemand hat eigentlich Zeit, technische Expertise in die IBM-Produkte zu investieren.
...
IBM hat unzählige Management-Ebenen, die jede Entscheidung ebenso wie jede Entscheidungsänderung verifizieren müssen. Aufgrund des so dichten Sicherheitsnetzes bei IBM ist es schier unmöglich, eine schlechte Entscheidung zu treffen. Genauer gesagt, es ist schier unmöglich, überhaupt eine Entscheidung zu treffen.......
 

Franziskaner

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Azariel schrieb:
...d.h. eine Woche pro Monat werden diese Faulen Säcke bezahlt obwohl sie vollkommen unproduktiv sind!!!

Daraus lassen sich mehrere Schlüsse ziehen:

1. Deine Kollegen sind dermassen gut und fleissig, dass sie ihre Arbeit in rund 5,5 Stunden fertig haben statt in 7,5.

2. Deine Firma hat nur soviel Arbeit, um ihre Beschäftigten 27,5 Stunden in der Woche auszulasten.

3. Dein Chef sollte sich über die Einführung eines Zeiterfassungssystems Gedanken machen.

Man kann also den Arbeitgebervertretern nicht vorwerfen, dass sämtliche Aussagen an den Haaren herbeigezogen wären.

Also ich kann deine Theorie nicht bestätigen. Dein Betrieb scheint mir ein besonderes Sammelbecken zu sein. Alle Betriebe, dich ich auf Grund eigener Tätigkeit dort und als externer Berater kennenlernen durfte, haben durchweg Mitarbeiter, die sich ordentlich den Allerwertesten aufreissen.

Wird aber schon einen Grund haben, warum ausgerechnet diese Firma dich eingestellt hat, oder? :wink:

Findet jemand Fehler in meiner Rechnung, berichtigt mich bitte. Ich hoffe sogar, dass ich mich irre, denn das ist ein Skandal!!

Tja, mich würde mal das Urteil deiner Kollegen, der faulen Säcke, über deine Arbeitsmoral und den Wahrheitsgehalt deiner Aussagen interessieren...
 

dkR

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Och, mein Vater macht sich auch morgens so gegen halb 9 gemütlich auf den Weg und ist um 18.00 wieder zu Hause :wink:
Dafür weiß sein Chef auch, was er an ihm hat.
 

Inuyasha

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Bei uns gibt es ein Zeiterfassungssystem. Gut. Die Leute erscheinen halt in ihrem "Zeitfenster" zum Dienst. Aber das dann auch sofort losgearbeitet wird, ist nur ein Gerücht. Erstmal wird die Zeitung gelesen, Kaffee gekocht und in aller Seelenruhe gefrühstückt. Es wird dann etwa in einem Bereich von 15 - 30min später angefangen, den ersten Handschlag zu tun.

Im Zuge der Einführung der 40-Std.-Woche ohne Lohnausgleich für den Beamtenanteil in unserem Hause sehen diese das als länger im Büro bleiben ohne Arbeitsausgleich, es wird also während dieser Zeit nichts mehr getan.

Die Unzufriedenheit der Mannschaft steigt, die Produktivität leidet darunter enorm und ein Großteil der Leute hat ehrlich gesagt aus Gründen der persönlichen Bequemlichkeit oder was auch immer eher ein Interesse daran das System zu sabotieren und die Dinge zu verschleppen und mutwillig zu verzögern wie ich inzwischen bei uns mitbekommen habe.

Die Motivation ist auf Null.
 

Franziskaner

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Inuyasha schrieb:
das dann auch sofort losgearbeitet wird, ist nur ein Gerücht.

Das funktioniert halt auch nicht überall. Normalerweise sind derlei arbeitsbegleitende Verhaltensweisen nur in wenigen Abteilungen (wenn überhaupt) in Produktionsbetrieben machbar. In öffentlichen Verwaltungen mag so was geduldet sein, aber sonst...?

Die Unzufriedenheit der Mannschaft steigt, die Produktivität leidet darunter enorm und ein Großteil der Leute hat ehrlich gesagt aus Gründen der persönlichen Bequemlichkeit oder was auch immer eher ein Interesse daran das System zu sabotieren und die Dinge zu verschleppen und mutwillig zu verzögern wie ich inzwischen bei uns mitbekommen habe.

Die Motivation ist auf Null.

Ich denke, die Motivation ist das wahre Problem - ob das nun mit dem Wegstreichen von Feier- oder Urlaubstagen oder mit unbezahlter Mehrarbeit zu lösen ist, möchte ich bezweifeln...

Bringt uns zu der Frage zurück, warum sind Mitarbeiter in manchen Betrieben nicht motiviert? Und wer hätte es in der Hand, sie zu motivieren?

Sprüche wie die von Herrn Rogowski halte ich in diesem Zusammenhang für äusserst kontraproduktiv. Aber das ist halt das Problem, wenn ich Menschen nicht als Wesen mit komplexen psychischen Verhaltensweisen sehe sondern als reine Produktionsmittel.

Wenn eine Maschine in 8 Stunden nicht die gewünschte Leistung bringt, lasse ich sie halt 10 Stunden laufen und verringere die Wartungsintervalle. Wenn ich das bei einem Menschen mache, setze ich einen ganzen Schwung von Prozessen in Gang - nicht nur auf der reinen Produktionsebene - deren Endergebnis nicht unbedingt eine höhere Produktivität sein muss. So lange das nicht in die Köpfe in den Führungsetagen vordringt, wird die Motivation in einigen Betrieben auch nicht höher werden.
 

Inuyasha

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Stimmt, das Kernproblem hier ist zweifellos die Motivation. Und die wird immer schlechter, je mehr solcher "Maßnahmen" ergriffen werden. Längere Arbeitszeiten steigern nur den Verdruß von denen, die bisher nicht so lange arbeiten mußten. Jeder denkt da an sich selbst zuerst und seinen Vorteil.

Aber das allein ist nur ein kleiner Teil. Viele kleine, unpopuläre Entscheidungen in den Chefetagen tragen ebenfalls dazu bei. Wie das bei uns auch so ist. Es herrschen ziemlich harte Grabenkämpfe zwischen der Verwaltung und den Rest der Belegschaft wegen dieser Entscheidungen.

Im Endergebnis sabotieren die Mitarbeiter diese Entscheidungen und damit die Verwaltung. Nach "Oben" hin erscheinen dann die Entscheidungsträger in der Verwaltung als Unfähig und kriegen Prügel.

Man erinnere sich an die Sache mit Gerster und der Aktion mit dem BKA Umzug. Den Videofilm von der Betriebsversammlung und andere Querschüsse der Belegschaft die das nicht wollten.

Der Einzelne ist keine Maschine. Sondern ein Mensch. Und hier muss auf das seelische Wohlbefinden Rücksicht genommen werden. Überall sind diese Symptome zu beobachten und ein jeder der Augen hat zu sehen, sieht dies. Nicht nur hier, in einer kleinen Verwaltung in der Provonz, nein, auch im Lande und im Staate. Überall herrscht nach subjektivem Empfinden Chaos und ein Jeder denkt sich "nu soll mit das auch alles egal sein".

Ich denke, es ist von Anfang an versäumt worden, systematisch und strukturiert für diverse Ideen und Veränderungen zu werben. Die Mehrheit fühlt sich überrollt und zieht deswegen nicht mit.

Bei uns dürfen die Angestellten nach 37.5 Std. die Woche Feierabend machen, die Beamten nach 41. Sowas gibt naturgemäß Neidkomplexe und böses Blut. Und das ist nur einer der Psychologischen Fehlgriffe, die dazu beitragen, das Chaos immer mehr und die Unzufriedenheit immer größer werden zu lassen.

Das Feingefühl für Psychologische Fragen in Sachen Motivation scheint da vollkommen abhanden gekommen zu sein. Der Holzhammer ist "IN".
 

Azariel

Meister
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Franziskaner schrieb:
Azariel schrieb:
...d.h. eine Woche pro Monat werden diese Faulen Säcke bezahlt obwohl sie vollkommen unproduktiv sind!!!

Daraus lassen sich mehrere Schlüsse ziehen:

1. Deine Kollegen sind dermassen gut und fleissig, dass sie ihre Arbeit in rund 5,5 Stunden fertig haben statt in 7,5.

2. Deine Firma hat nur soviel Arbeit, um ihre Beschäftigten 27,5 Stunden in der Woche auszulasten.

3. Dein Chef sollte sich über die Einführung eines Zeiterfassungssystems Gedanken machen.



Wird aber schon einen Grund haben, warum ausgerechnet diese Firma dich eingestellt hat, oder? :wink:




Zu deinen Schlüssen:

1. Sie machen nur das absolute Minimum und der Rest bleibt an den derzeit, beschäftigten Studenten und Zeitvertragsarbeitern, wie mir, hängen. Die nutzen das total aus, dass ein neuer Manager da is' der noch nicht gepeilt hat wie der Hase läuft. Da Momentan auch Modernisierungsmassnahemen laufen, brüllen die nur nach mehr Leuten, statt mal ihre Arbeitszeit zu nutzen.Die Jungs peilen nur nicht, dass sie sich im Endeffekt selber schaden.


2.Alle anderen Abteilungen müssen auch am WE arbeiten, Arbeit wäre genug da.

3.Wollte den guten Mann auch schonmal aufklären, aber wenn das rauskäme würden die mich killen!!


Franziskaner schrieb:
Man kann also den Arbeitgebervertretern nicht vorwerfen, dass sämtliche Aussagen an den Haaren herbeigezogen wären.

Also ich kann deine Theorie nicht bestätigen. Dein Betrieb scheint mir ein besonderes Sammelbecken zu sein. Alle Betriebe, dich ich auf Grund eigener Tätigkeit dort und als externer Berater kennenlernen durfte, haben durchweg Mitarbeiter, die sich ordentlich den Allerwertesten aufreissen.

Nicht der ganze Betrieb ist ein Sammelbecken, die Abteilung Lager ist ein Sammelbecken für Verpisser. Der alte Cheffe hat da durchgegriffen, da hat niemand rumgestanden. Da flogen dann die Fetzen!! Allerdings war das ein humaner Kerl, der niemanden so ohneweiteres gekündigt hat. Leute die woanders nie ne Chance gehabt hätten bekamen von dem sogar mehrere. Wenn dem neuen Manager auffällt was da läuft rollen Köpfe!! Die beschweren sich dann, so nach dem Motto: 25 Jahre dem Betrieb die Treue gehalten usw.und dann einfach gekündigt.


Azariel schrieb:
Findet jemand Fehler in meiner Rechnung, berichtigt mich bitte. Ich hoffe sogar, dass ich mich irre, denn das ist ein Skandal!!

Franziskaner schrieb:
Tja, mich würde mal das Urteil deiner Kollegen, der faulen Säcke, über deine Arbeitsmoral und den Wahrheitsgehalt deiner Aussagen interessieren...


Die sagen ja selber, dass sie "so tun als ob", "vortäuschen" usw. Sehen darin, aber kein Problem, solange es keinem Auffällt, dass sie auch eine moralische Verpflichtung zur Arbeit haben sehen sie nicht. Es heisst ja nicht umsonst ArbeitsMORAL. Man liest dort in der Pause die BILD und regt sich über Sozialhilfeempfänger und Arbeitslose auf, betituliert sie als Schmarotzen und lebt doch selber wie die Made im Speck!!! Deren Urteil ist nichts wert. Die Belegschaft ist zu Selbstkritik nicht fähig.
 

Booth

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Hier noch ein oder zwei weitere Gedanken, warum sich relativ viele Firmen scheuen, Mitarbeiter in die Teilzeit zu nehmen.

Zum einen ist es doch so, daß es billiger ist, wenn eine bestimmte Arbeit von drei Personen erledigt werden kann, als von vier Teilzeit-Personen, die vielleicht Netto alle soviel bekommen, wie drei Vollzeit-Personen. Das liegt zum einen daran, daß auf Grund der nicht geringen Sozialabgaben ein Mitarbeiter brutto (womit ein Arbeitgeber ja rechnen muss) deutlich mehr kostet als netto.
Desweiteren benötigt ein Mitarbeiter ja auch Materialkosten, wie z.B. Arbeitskleidung oder Werkzeuge oder Büromaterial (inkl Miete, PC, Telefon). Auch für die interne Verwaltung wird ein weiterer Mitarbeiter Kosten verursachen (EDV-Unternehmen verrechnen z.B. ihre Dienstleistungen oft gemessen an der Anzahl der verwalteten Anwender und Arbeitsplätze).
Auch "rechnen" viele Firmen einfach intern mit einer Anzahl Mitarbeiter X. Es wird nicht mit der Arbeitszeit Y gerechnet. Wenn also ein Manager in einer großen Firma einen neuen Arbeitsplatz genehmigt haben möchte, muss er relativ lange dafür kämpfen. Und dann will er natürlich, daß dieser Arbeitsplatz möglichs viel Produktivität erbringen kann, da er dann ne Weile erstmal keinen neuen Mitarbeiter genehmigt bekommt.
Schließlich ist die interne Organisation bei flexiblen Teilzeitmodellen sehr viel wichtiger. Die leitenden Angestellten müssen sehr viel genauer schauen, daß sich die Abteilung auch gut organisiert. Dazu sind viele Manager entweder zu faul, oder (noch schlimmer) gar nicht in der Lage.

Das sind alles erhebliche Probleme, die einer wirklichen Flexibilität im Wege stehen.
Aber ich gebe in sofern völlig recht, daß das Geblubber von "Mehrarbeit schafft Arbeitsplätze" ziemlich illusorisch ist, und vermutlich die Firmen zu faul und unfähig sind, sich intelligenter zu organisieren, und die entstehenden Kosten auch von Seiten der Politik nicht irgendwie wahrgenommen werden. So könnte man zum Anschub der Teilzeitarbeit bestimmte (zeitlich befristiete) Steuersparmodelle einführen, oder andere Wege beschreiten, und im Gegenzug andere Steuerbegünstigungen, die vor allem gegen den Teilzeitgedanken gerichtet sind, (falls es solche gibt) streichen.

gruß
Booth
 

Spacesoldier

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Hab vorgestern noch einen Gladbacher im Zug gefragt wie lang er denn arbeiten würde... da sagte er ich muss 6 Tage die Woche je 7,5 Stunden! Da ich aber zum Fußball fahre arbeite ich 5 Tage die Woche je 10,5 Stunden... Wo bleibt da das Privat leben??? Das sind gut 53 Stunden... Ist doch alles Bekloppt!
 
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