US-Präsidentschaftswahlen 2016

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Wäre es 2000 al Gore geworden, hätte es wohl 2003 keinen Irakkrieg gegeben. Al Gore hätte sich auch als Präsident für die Umwelt eingesetzt, was von Bush kaum zu erwarten war, aus der Ölindustrie kommend.

Auf gesamtlicher Ebene haben nur die beiden großen Parteien wirklich Bedeutung. Die Third Parties können bei knappen Wahlen für das Zünglein auf der Waage sorgen, wenn sie nämlich einer großen Partei die Wähler wegschnappen. Das kann aber auch das Zünglein sein, das sie eben nicht wollen.
Diese Third Parties haben eher regionalen Einfluss, oder ihre Forderungen finden Einlass in das Parteiprogramm der beiden großen Parteien. Man nimmt diese Parteien hier kaum wahr. Sie erreichen bei den "kleineren" Wahlen jedoch durchaus Ämter oder unterliegen hier und da nur knapp.
Zum Beispiel gibt es die Green Party. Sie setzen sich insbesondere für Graswurzelpolitik ein, also für mehr Beteiligung der Bürger bei politischen Entscheidungen.
Diesen Ansatz finde ich durchaus spannend. Die repräsentative Demokratie wird ständig auch als eine Demokratie empfunden, in welcher über den Bürger hinwegregiert wird. Mit Blick auf Deutschland: es wird insbesondere mehr direkte Demokratie gefordert. Allerdings haben die Referenden in Ungarn und zum Brexit die Debatte losgetreten, ob die direkte Demokratie ein Qualitätsgarant der Demokratie ist und die Entscheidungen mit ihr besser werden, wie ein Artikel es zeigt, der sie verteidigt: Das ungarische Referendum. Ein wortgewandter Charismatiker kann die Wählenden durchaus erheblich beeinflussen, oder eine Lobby eine handfeste Kampagne leichter lostreten und managen. Direkte Demokratie ist aufwendig, die Beteiligung bei Abstimmungen ist deutlich geringer. Aber die Bürger sind mehr beteiligt, keine Frage.
Ich möchte allerdings nochmal auf das Ziel der Green Party zurückkommen: Graswurzelpolitik und die Schaffung neuer Institutionen, die mehr Bürgerbeteiligung garantieren. Die Green Party will mehr kollaborative Demokratie installieren. Mit kollaborativer Demokratie ist gemeint, dass die Menschen an Lösungen konkret mitarbeiten und sie gestalten und dabei ihre persönlichen Potentiale nutzen können.
Zu dem Ansatz zwei deutsche Aufsätze:
Verfahren in der Partizipation;
Kollaborative Demokratie – konzeptionelle Grundlagen.
Und da es in diesem Thread eigentlich um die USA geht: democracycollaborative.org

Sicherlich wird diese Art der Politik besonders auf lokaler Ebene verwendet (Zukunftswerkstatt, etc.), aber vielleicht bietet sie auch Potential auf anderer Ebene. Sie dürfte jedenfalls mehr Zufriedenheit bei allen Beteiligten und Betroffenen hervorrufen.
 

Rivale-von-Nogar

Großmeister
Mitglied seit
26. April 2006
Beiträge
528
streicher schrieb:
Direkte Demokratie ist aufwendig, die Beteiligung bei Abstimmungen ist deutlich geringer. Aber die Bürger sind mehr beteiligt,
Wegen jeder Kleinigkeit sollte man auch nicht Abstimmen, aber zumindest bei den wichtigsten Fragen. Z.B. speziell für die Amerikaner:

Wollt Ihr den Afghanistankrieg?
Wollt Ihr den Irakkrieg?
Wollt Ihr den Libyenkrieg?
Wollt Ihr den Syrienkrieg?
Wollt Ihr dieselben Sozialsysteme wie in Europa u.s.w.

Aber es gibt ja so gut wie gar keine Direktabstimmung b.z.w. Volksabstimmung mehr. Weder in Europa, noch in Amerika. Man kann nur Parteien wählen und sonst nix.

Obwohl andererseits ist es mit der Medienmacht auch so eine Sache. Würde es mehr Volksabstimmungen geben, würde man die Interessen der Eliten medial in den Vordergrund stellen, sodass das manipulierbare Volk dann doch wieder ganz im Sinne der Eliten abstimmt.
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Rivale-von-Nogar schrieb:
Wegen jeder Kleinigkeit sollte man auch nicht Abstimmen, aber zumindest bei den wichtigsten Fragen.
(...)
Wollt Ihr dieselben Sozialsysteme wie in Europa u.s.w.
Das sind allerdings auch sehr komplexe Fragen. Dann darf man auch erwarten, dass sich die Bevölkerung eingehend mit den jeweiligen Themen (in dem Fall die verschiedenen Sozialsysteme) befassen, bzw. darüber gut informiert werden. Ein Umbau eines Sozialsystems ist ja keine einfache Sache.

Aber es gibt ja so gut wie gar keine Direktabstimmung b.z.w. Volksabstimmung mehr. Weder in Europa, noch in Amerika. Man kann nur Parteien wählen und sonst nix.
Doch klar. Schweiz kann auf eine Direkte Demokratie blicken.
Und zum Beispiel in Bayern gibt es durchaus Volksentscheide und Bürgerentscheide (denen die entsprechenden Begehren vorausgehen).

[Mehr Volksabstimmungen]
Obwohl andererseits ist es mit der Medienmacht auch so eine Sache. Würde es mehr Volksabstimmungen geben, würde man die Interessen der Eliten medial in den Vordergrund stellen, sodass das manipulierbare Volk dann doch wieder ganz im Sinne der Eliten abstimmt.
Was für einem politischen System würdest du denn trauen?
 

hives

Ehrenmitglied
Mitglied seit
20. März 2003
Beiträge
3.650
Hier eine Kurzbeschreibung der vier prominentesten Kandidaten durch John Oliver:

"a lying, handsy, narcissistic sociopath"

"a hawkish, Wall-Street-friendly embodiment of everything that some people can't stand about politics"

"an ill-tempered mountain-molester with a radically dangerous tax-plan that even he can't defend"

"a conspiracy-pandering political neophyte with no clear understanding of how government operates"
Last Week Tonight with John Oliver: Third Parties
 

Rivale-von-Nogar

Großmeister
Mitglied seit
26. April 2006
Beiträge
528
streicher schrieb:
Rivale-von-Nogar schrieb:
Wegen jeder Kleinigkeit sollte man auch nicht Abstimmen, aber zumindest bei den wichtigsten Fragen.
(...)
Wollt Ihr dieselben Sozialsysteme wie in Europa u.s.w.
Das sind allerdings auch sehr komplexe Fragen. Dann darf man auch erwarten, dass sich die Bevölkerung eingehend mit den jeweiligen Themen (in dem Fall die verschiedenen Sozialsysteme) befassen, bzw. darüber gut informiert werden. Ein Umbau eines Sozialsystems ist ja keine einfache Sache.
Jeder 6te Amerikaner ist mittlerweile Obdachlos und somit Opfer des Raubtierkapitalismus. Ich würde mal sagen, dass es unter diesen Umständen sogar aller höchste Zeit wird, die Amerikaner per Volksabstimmung entscheiden zu lassen, ob Sie eventuell ein „etwas besseres“ Sozialsystem haben wollen.

streicher schrieb:
Aber es gibt ja so gut wie gar keine Direktabstimmung b.z.w. Volksabstimmung mehr. Weder in Europa, noch in Amerika. Man kann nur Parteien wählen und sonst nix.
Doch klar. Schweiz kann auf eine Direkte Demokratie blicken.
Und zum Beispiel in Bayern gibt es durchaus Volksentscheide und Bürgerentscheide (denen die entsprechenden Begehren vorausgehen).
Das ist auch gut so. Gerade deshalb wird Bayern, die Schweiz und Ungarn von unserer Presse als „rechts“ dämonisiert. Das ist wirklich eine sehr hinterhältige Denkfabrik, die man da installieren will. So Quasi direkte Demokratie ist angeblich gleich rechts.

streicher schrieb:
Was für einem politischen System würdest du denn trauen?
Einem demokratischen b.z.w. demokratisch-sozialistischem System. Speziell für Europa würde ich mir außerdem noch eine Medienmacht wünschen, die nicht so US-administrationshörig ist. Diesen Plutokratischen Raubtierkapitalismus, den wir zur Zeit sowohl in Europa als auch in Amerika haben hat mit Demokratie oder sozialer Gerechtigkeit wirklich nichts mehr zu tun.
 

Giacomo_S

Ehrenmitglied
Mitglied seit
13. August 2003
Beiträge
2.804
streicher schrieb:
Und zum Beispiel in Bayern gibt es durchaus Volksentscheide und Bürgerentscheide (denen die entsprechenden Begehren vorausgehen).
Ja, aber leider kommt nur Unsinn dabei heraus.
 

Giacomo_S

Ehrenmitglied
Mitglied seit
13. August 2003
Beiträge
2.804
streicher schrieb:
Zum Beispiel gibt es die Green Party. Sie setzen sich insbesondere für Graswurzelpolitik ein, also für mehr Beteiligung der Bürger bei politischen Entscheidungen.
Diesen Ansatz finde ich durchaus spannend.
In den USA können die praktisch fordern, was sie wollen, sie werden sowieso nie in der Verantwortung stehen, ihre Forderungen auch umsetzen zu müssen.
Da das amerikanische Wahlsystem nur Gewinner berücksichtigt und kleine Parteien, nirgendwo die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen können, sind sie praktisch chancenlos.

Auch die Grünen in Deutschland sind ursprünglich mit einem basisdemokratischen Konzept angetreten. Rotationsprinzip, Rücksprache mit der Basis - aber was ist davon geblieben?
Das Rotationsprinzip und den ursprünglich gewollten Verzicht auf "Politikerköpfe" haben sie aufgeben. Sie haben eingesehen, dass es ohne Politstars auch bei den Grünen nicht geht. Ohne charismatische Persönlichkeiten gibt es eben auch keine Stimmanteile.
Aber auch das basisdemokratische Konzept existiert in dieser Form nicht mehr. Es hat sich gezeigt, dass es Entscheidungsprozesse zu sehr in die Länge zieht, ohne das substanziell mehr dabei heraus käme.
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Rivale-von-Nogar schrieb:
Jeder 6te Amerikaner ist mittlerweile Obdachlos und somit Opfer des Raubtierkapitalismus. Ich würde mal sagen, dass es unter diesen Umständen sogar aller höchste Zeit wird, die Amerikaner per Volksabstimmung entscheiden zu lassen, ob Sie eventuell ein „etwas besseres“ Sozialsystem haben wollen.
Nein, jeder 6te Amerikaner lebt in Armut. Obdachlos sind circa 1%.
Das zeigt jedoch trotzdem: in den USA fallen viele Menschen durch das soziale Netz.
In den USA wurde versucht, Referenden einzuführen, was bislang nicht gelang. In einzelnen Bundesstaaten gibt es übrigens durchaus direkte Demokratie.


Das ist auch gut so. Gerade deshalb wird Bayern, die Schweiz und Ungarn von unserer Presse als „rechts“ dämonisiert. Das ist wirklich eine sehr hinterhältige Denkfabrik, die man da installieren will. So Quasi direkte Demokratie ist angeblich gleich rechts.
In einer direkten Demokratie kommen Minderheiten nicht so leicht zum Zug. Deswegen würde ich sagen, dass es in einer direkten Demokratie eher konservativ zugeht.
In der Schweiz zum Beispiel wurde das Frauenwahlrecht erst in den 70er-Jahren eingeführt, weiss nicht mehr genau wann.


Einem demokratischen b.z.w. demokratisch-sozialistischem System. Speziell für Europa würde ich mir außerdem noch eine Medienmacht wünschen, die nicht so US-administrationshörig ist. Diesen Plutokratischen Raubtierkapitalismus, den wir zur Zeit sowohl in Europa als auch in Amerika haben hat mit Demokratie oder sozialer Gerechtigkeit wirklich nichts mehr zu tun.
Lass uns das mal unterscheiden. Ich meinte erst einmal, welches politisches System: eher repräsentative Demokratie oder lieber eine Direkte?
Wirtschaftssystem: Also keinen (Raubtier-)Kapitalismus. Ein sozialistisches Wirtschaftssystem?
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Giacomo_S schrieb:
In den USA können die praktisch fordern, was sie wollen, sie werden sowieso nie in der Verantwortung stehen, ihre Forderungen auch umsetzen zu müssen.
Da das amerikanische Wahlsystem nur Gewinner berücksichtigt und kleine Parteien, nirgendwo die Mehrheit der Stimmen für sich gewinnen können, sind sie praktisch chancenlos.
Sie haben kaum Möglichkeiten, in Ämter zu kommen, deswegen ist ihr Einfluss eher lokal. Wie gesagt: die großen Parteien schnappen auch mal Ideen der kleinen Parteien auf. Kollaborative Demokratie widerspricht auch nicht dem Konzept der großen Parteien. Ich würde vermuten, dass sie diese Art von Demokratie in einigen Orten durchaus praktizieren. Für die Green Party ist es eben auch Parteiprogramm.

Auch die Grünen in Deutschland sind ursprünglich mit einem basisdemokratischen Konzept angetreten. Rotationsprinzip, Rücksprache mit der Basis - aber was ist davon geblieben?
Das Rotationsprinzip und den ursprünglich gewollten Verzicht auf "Politikerköpfe" haben sie aufgeben. Sie haben eingesehen, dass es ohne Politstars auch bei den Grünen nicht geht.
Ja, dass mussten sie in der repräsentativen Demokratie einsehen: es braucht Charismatiker. Und Joschka Fischer war einer.
Kollaborative Demokratie ist jedoch nicht parteienfokussiert. Örtlich wird durchaus auch mehr Bürgerbeteiligung gewünscht (wie in Bürgerversammlungen immer wieder geäußert wird). Vielleicht fehlt es einerseits am Willen, vielleicht andererseits aber auch am Konzept.
 

Rivale-von-Nogar

Großmeister
Mitglied seit
26. April 2006
Beiträge
528
streicher schrieb:
Nein, jeder 6te Amerikaner lebt in Armut. Obdachlos sind circa 1%.
Das zeigt jedoch trotzdem: in den USA fallen viele Menschen durch das soziale Netz.
Und genau das ist eben ein gewaltiges Armutszeugnis für die USA, nachdem Sie sich auf der anderen Seite „Weltmacht“ oder „Einzig übriggebliebene Supermacht“ schimpfen.

streicher schrieb:
In einer direkten Demokratie kommen Minderheiten nicht so leicht zum Zug. Deswegen würde ich sagen, dass es in einer direkten Demokratie eher konservativ zugeht.
5 Löwen und eine Antilope sollten natürlich nicht darüber abstimmen, was es denn feines zu Essen gibt – Sprich – Direktabstimmungen sollte es nur geben, wenn dadurch keine Minderheiten benachteiligt werden.

streicher schrieb:
Lass uns das mal unterscheiden. Ich meinte erst einmal, welches politisches System: eher repräsentative Demokratie oder lieber eine Direkte?
Also von den Abstimmungen her meinte ich das so: Das man zumindest bei den allerwichtigsten Fragen abstimmen kann. Z.B. speziell für Deutschland:

Wollt Ihr Tipp?
Wollt Ihr Ceta?

…oder für den gesamten Westen:

Wollen wir auch weiterhin Jahr für Jahr eine gewisse Anzahl an Flüchtlingen aufnehmen oder wollen wir in den Problemregionen Fluchtursachen bekämpfen und die entsprechenden Strukturen dafür schaffen?

Aber zur Zeit ist es leider umgekehrt. Wenn man Glück hat, darf man in bestimmten Regionen etwas regionalbezogenes abstimmen, was gar nicht so relevant ist und obendrein noch Minderheiten benachteiligen könnte. Aber auf Bundesebene, Europaebene u.s.w. dürfen über die allerwichtigsten Fragen nicht abgestimmt werden.

streicher schrieb:
Wirtschaftssystem: Also keinen (Raubtier-)Kapitalismus. Ein sozialistisches Wirtschaftssystem?
Welches Wirtschaftssystem das Beste ist, hängt auch viel von den jeweiligen Zeitumständen ab. Der derzeitige globale Raubtierkapitalismus führt auf kurz oder lang zu einem Monopolyeffekt, wo am Ende nur wenigen alles gehört. Besser gesagt dieser Monopolyeffekt ist schon seit längerer Zeit voll im Gange.

Unter diesen Umständen sollte man die ganzen Wirtschaftssysteme rund um den Globus so Sozialistisch wie möglich umstrukturieren.
 

Giacomo_S

Ehrenmitglied
Mitglied seit
13. August 2003
Beiträge
2.804
Bei so manchem Bürgerbegehren habe ich den Eindruck, dass die Sache selbst zweitrangig ist. Es geht vielmehr darum, dass dadurch Aktivisten eine Öffentlichkeit gewinnen - und zwar für ihre Ziele.

Aktuell strengen z.B. Aktivisten in Berlin Kreuzberg/Friedrichshain ein Bürgerbegehren zur Einführung eines obligatorisch veganen Menüs in allen öffentlichen Kantinen an.

Zur Sache:
Wie es aktuell in öffentlichen Berliner Kantinen zugeht, das weiß ich nicht. Hier in München ist ein veganes Menü in öffentlichen Kantinen ohnehin längst Standard. Ich kann mir aber gut vorstellen: In Berlin ist die Situation ähnlich.
Außerdem: Wenn man das genannte Ziel wirklich erreichen will, gibt es vielleicht viel erfolgversprechendere Methoden als ein Bürgerbegehren. Vorsprache bei den jeweiligen Amtsleitern/Küchenleitern zum Beispiel.

Zur Aktion:
Es drängt sich daher der Verdacht auf, dass es bei diesem Bürgerbegehren überhaupt nicht um die Sache geht. Sondern vielmehr darum, ein Bürgerbegehren zum Vehikel des Veganismus zu machen. Mit der Folge, dass man damit eine Öffentlichkeit hat, die man sonst (kostenlos) nie hätte. Zumal es im Kern wahrscheinlich nicht einmal um die vegane Ernährung geht, sondern um Tierrechtsaktivismus.

Genau so bewerte ich den vor Jahren in Bayern stattgefundenen Volksentscheid zum Rauchverbot in Kneipen. Da ging es letztlich auch nicht um die Sache an sich, denn einen funktionierenden Kompromiss in Sachen Nichtraucherschutz hatten wir in Bayern auch schon vorher.
Vielmehr ging es darum, dass ein Herr Frankenberger von der ÖDP sich profilieren kann und die ÖDP, ansonsten eine unbedeutende (und vielen kaum bekannte) Partei mal wieder eine Presse hat.
Entschieden hat die Sache dann eine Minderheit (60 % bei einer Wahlbeteiligung von knapp 38 %) und mutmaßlich diejenigen, die sowieso keine Kneipen aufsuchen (weil sie uns "Sündhaften" einen Deckel verpassen wollten und wir Kneipengänger am Sonntag den Arsch nicht hoch kriegen). :D
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Rivale-von-Nogar schrieb:
Aber auf Bundesebene, Europaebene u.s.w. dürfen über die allerwichtigsten Fragen nicht abgestimmt werden.
Das ist schon lange ein Kritikpunkt an den Entscheidungsverfahren der EU. Und deswegen werden auch andere Wege gewählt, die EU-Politik zu kritisieren, zum Beispiel hinsichtlich TTIP und CETA. Keine Frage.

Welches Wirtschaftssystem das Beste ist, hängt auch viel von den jeweiligen Zeitumständen ab. Der derzeitige globale Raubtierkapitalismus führt auf kurz oder lang zu einem Monopolyeffekt, wo am Ende nur wenigen alles gehört. Besser gesagt dieser Monopolyeffekt ist schon seit längerer Zeit voll im Gange.

Unter diesen Umständen sollte man die ganzen Wirtschaftssysteme rund um den Globus so Sozialistisch wie möglich umstrukturieren.
Und vor Ort könnte man sich um Resilienz und Subsistenz kümmern. Das Credo vom immerwährenden Wachstum sollte man vielleicht irgendwann mal doch ablegen. Zumindest wäre es schön, wenn 0% Wachstum nicht gleich zu einer globalen Krise führt. Was sagst du zu Postwachstum?
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Giacomo_S schrieb:
Zur Sache:
Wie es aktuell in öffentlichen Berliner Kantinen zugeht, das weiß ich nicht. Hier in München ist ein veganes Menü in öffentlichen Kantinen ohnehin längst Standard. Ich kann mir aber gut vorstellen: In Berlin ist die Situation ähnlich.
Außerdem: Wenn man das genannte Ziel wirklich erreichen will, gibt es vielleicht viel erfolgversprechendere Methoden als ein Bürgerbegehren. Vorsprache bei den jeweiligen Amtsleitern/Küchenleitern zum Beispiel.
Oder dieses Modell: es gibt Schulkantinen, die einen "Wochenplan" anbieten. Die Schüler legen sich für die Woche dann im Internetz fest. Dementsprechend wird gekocht. Wahrscheinlich sollte vorher ungefähr der Bedarf festgestellt werden. Dann würde schon zur Sprache kommen, ob vegetarisch oder vegan (auch mal) gewünscht wird.
Weniger Verordnung, mehr Kooperation wäre die Devise.

Genau so bewerte ich den vor Jahren in Bayern stattgefundenen Volksentscheid zum Rauchverbot in Kneipen. Da ging es letztlich auch nicht um die Sache an sich, denn einen funktionierenden Kompromiss in Sachen Nichtraucherschutz hatten wir in Bayern auch schon vorher.
Vielmehr ging es darum, dass ein Herr Frankenberger von der ÖDP sich profilieren kann und die ÖDP, ansonsten eine unbedeutende (und vielen kaum bekannte) Partei mal wieder eine Presse hat.
Ziel erreicht. Öffentlichwirksamkeit. In den Kopf von Herrn Frankenberger der ÖDP (ökologisch und konservativ) kann man nicht hineinblicken. Vielleicht hatte er einfach keine Lust mehr, seine Klamotten nach jedem Kneipenbesuch zu waschen. :ironie: :wink:

Entschieden hat die Sache dann eine Minderheit (60 % bei einer Wahlbeteiligung von knapp 38 %) und mutmaßlich diejenigen, die sowieso keine Kneipen aufsuchen (weil sie uns "Sündhaften" einen Deckel verpassen wollten und wir Kneipengänger am Sonntag den Arsch nicht hoch kriegen). :D
"Die größte Strafe für diejenigen, die sich nicht für Politik interessieren, ist, von denen regiert zu werden, die sich für Politik interessieren." War das nicht Churchill?
 

Rivale-von-Nogar

Großmeister
Mitglied seit
26. April 2006
Beiträge
528
Nun gut, sich mit anderen Leuten zusammenschließen und mit denen eine Lebensgemeinschaft und Handelsgemeinschaft zu gründen b.z.w. zu bilden und innerhalb dieser Gemeinschaft alles so gut es geht zu optimieren und aufeinander abzustimmen, dass ist natürlich etwas, was man jederzeit mit anderen Leuten machen kann, die da ebenfalls Interesse an sowas haben – völlig unabhängig vom jeweiligen Wirtschaftssystem.

Hat aber nicht wirklich etwas mit sozialer Gerechtigkeit zu tun. Im Gegenteil: Sogar die in Deutschland lebenden Billiglöhner, Hartz4empfänger und Asylanten verbrauchen mehr als 2,7 Tonnen CO2 im Jahr, kann ich mir vorstellen (nachdem 11 Tonnen der durchschnitt ist).

Das heißt mit anderen Worten: Selbst die untersten Gesellschaftsschichten in Deutschland müssten bei dieser sogenannten Postwachstumsökonomie an Lebensstandart b.z.w. an Lebensqualität einbüßen. Die höheren Gesellschaftsschichten sowieso.
 

streicher

Ehrenmitglied
Mitglied seit
15. April 2002
Beiträge
4.777
Eine Kenngröße ist ja auch der ökologische Fußabdruck.
Beim eigenen persönlichen Fußabdruck kann man schon ziemlich stark schrauben - in Sachen Energieverbrauch, Verkehrsmittelnutzung, oder wie groß man seine Wohnung wählt, Ernährung, kauft man oder repariert man, etc.
Jedoch hat der ökologische Fußabdruck als beziffernde Größe auch einen gesellschaftlichen Anteil (Versorgung, Infrastruktur, etc.). Und allein mit dem kommt der Durchschnittsdeutsche über die rote Linie: allein der Fußabdruck des grauen gesellschaftlichen Anteils würde mehr als eine Erde benötigen, wenn jeder Erdenbürger so viel verbrauchen würde.
Oder wenn wir wieder auf die CO²-Messlatte zurückkommen: der graue Anteil allein reißt die 2,7-Tonnen-Marke (zwar knapp, aber sie wird gerissen).

Nun stellt sich auch die Frage: Wie schnell kann der durchschnittliche Verbrauch gedrosselt werden, ohne dass die Bevölkerung eine Krise nach der anderen erleben muss? Welche Strategien können dabei helfen?

Oder ganz andere Fragen: Was ist Wohlstand? Was wird als Wohlstand und hoher Lebensstandard empfunden? Hängt es damit zusammen, dass man sich stets neue Produkte (mit Sollbruchstelle) leistet, oder kann es damit zusammenhängen, dass man das, was man hat, bewahrt?
Unsere Gesellschaft wirkt gehetzt. Vielleicht würde es ihr nicht schlechttun, wenn sie sich etwas entschleunigen würde. Man gewinnt wieder Zeit. Wird mit dem Wort Zeitwohlstand beziffert. Wohlstand und Lebensqualität können ja neu gedacht werden.

Allerdings will ich nicht sagen, dass der Niko Paech in allen Dingen hundertprozentig ins Schwarze trifft, denke aber, dass er in einigen Dingen sehr wichtige Gedanken ins Feld bringt.
 

Mr. Anderson

Ehrenmitglied
Mitglied seit
24. Februar 2004
Beiträge
2.930
Auf der Wahlmännerkarte von RCP ( No Toss Up States (RCP) ) führt Clinton zur Zeit [6. 11. 2016, 10:15 Uhr MEZ] mit 297 zu 241 gegenüber Trump.

Dabei hat Clinton in Florida 1,2 Prozentpunkte Vorsprung (RCP Average). Die 29 Wahlmännerstimmen von Florida wiederum wären genau das – wenn sonst alles gleichbliebe –, was Trump für einen Sieg bräuchte (er käme auf 270 von 538 Stimmen).
 
Oben