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homosexualität...

Dieses Thema im Forum "Sie, Er und Es" wurde erstellt von lenzerl, 17. Februar 2004.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Du hast an anderer Stelle von den Leuten in deiner Ortschaft erzählt, die sich für die Agenda 21 einsetzen. Die haben etwas gefunden, für das sie kämpfen, vergleichbar mit der Arbeit für eine Partei. Es hat beinahe schon etwas quasi-religiöses. Setzen sie sich jedoch tatsächlich für mehr Regulation durch den Staat ein? Es kann schon sein, dass der Staat Projekte unterstützt. Jedoch kann bei nachhaltigen Projekten der Staat auch als Bremse wirken, besonders wenn es um Papierkram und Genehmigungen geht, zum Beispiel bei neuartigen Projekten.
    Und manchmal schreitet der Staat vielleicht sogar zu wenig ein. Dabei denke ich an erster Linie nicht an die BRD, sondern an Länder, in denen Regierungen Großkonzernen freie Hand gibt, damit sie ihren Raubtierkapitalismus auf dem Rücken der anwohnenden Bevölkerung austragen.


    Ob religiöse Gesellschaften anfälliger für Kindesmissbrauch sind, habe ich mich auch schon gefragt.
    Ich hätte ja auch anders fragen können. Man findet in der Bibel die Gebote, dass Kinder Vater und Mutter ehren sollen, gehorchen sollen, und dergleichen. Wird jedoch ein expliziter Schutz für Kinder ausgesprochen? Haben Kinder Rechte? Ich vermute: nein. Salomo lässt verlauten, "dass man die Rute nicht schonen sollte". So kommt es, dass in vielen amerikanischen fundamentalistischen Gemeinden eben noch immer die Rute eingesetzt wird, um Kinder zu strafen. Missbrauch. Und da sind weitere Schritte der Gewaltausübung vielleicht auch nicht mehr so weit weg.

    Zu der Stelle in Richter 19:
    Das sind Geschichten, die prominente Plätze in der Bildzeitung finden würden - krasser, schlimmer und brutaler. Soll damit noch eine Moral vermittelt werden? Will der Schreiberling berichten oder doch noch etwas lehren? Interessant finde ich deswegen die ersten Verse aus dem Kapitel 19 (aus obiger Übersetzung):
    Es wird explizit erwähnt, dass sie fremdging, sprich der Vorwurf des Ehebruchs liegt in der Luft. Wahrscheinlich geahndet als Todsünde. Und Nebenfrau ist sie auch noch.
    Was ich mir gut vorstellen könnte: sie ist vor dem Typen geflohen. Wahrscheinlich war sie auch noch jung, vielleicht sogar Teenager (immerhin floh sie zu ihrem Vater zurück...). Und den Leviten könnte man mit einem Taliban vergleichen: mit Bart, so alt wie ihr Vater und so weiter. Der Typ hat sie sich zur Frau genommen, ihr den Spaß am Leben genommen, ihre Jugend. Wen wundert es, dass sie sich dem Hause dieses Leviten entreißen will?
     
  2. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Ich halte es, jenseits vermeintlich christlicher Vorgaben, für eine Konsequenz der geschlossenen und streng hierarchischen Strukturen, in der Sektenmitglieder leben. Möglicherweise geht es mehr um Machtausübung und -erhalt und das sexuelle daran ist nur eine Variante von vielen.
     
  3. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Die streng hierarchischen Strukturen spielen den Tätern jedenfalls in die Hände, denn wer wagt es schon, einen Geistlichen, welcher Couleur auch immer, in Frage zu stellen. Allerdings stellen sich mir dann zwei Fragen:
    Wurden diese religiösen Strukturen geschaffen, um hierarchische Strukturen letztendlich zu zementieren?
    Glauben einige von denjenigen, die die hierarchischen Strukturen rücksichtslos ausnutzen und verschiedene Arten von Machtmissbrauch betreiben, selbst nicht an die religiösen Vorgaben?
    Wenn sie ihre Handlungen nicht nach Außen vertreten können, schotten sie sich in einem Lügengebäude ab und betreiben ihre Handlungen vielleicht sogar relativ ungehindert, da die Leute um sie herum einem Trugbild aufgesessen sind. Das allein widerspricht doch den Glaubensauflagen (Gebot: Du sollst nicht lügen.).
     
  4. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Nun, ich schon, respektive: Nur, weil ich, zumindest teilweise selbst die religiösen Interpretationen eines Geistlichen nicht teile, bedeutet das nicht, ihn als Person in Frage zu stellen. Bei anderen strittigen Fragen, z.B. der Ernährungswissenschaft, bedeutet es das ja zwingend auch nicht.

    Warum muss eigentlich in Fragen der Religion immer so eine "Emotionale Matsche" aus dem Sujet gemacht werden? Könnte sich da am Ende gar herausstellen, dass ach-so-vieles den heiligen Texten gar nicht zu entnehmen ist - und mehr dem entspricht, was man gerne glauben würde, was darin steht, weil man das uns lange genug erzählt hat? Und damit meine ich nicht einmal Fragen von "Übersetzungsfehlern", sondern die durchaus "offiziellen" Versionen der Texte, wenn man sie dann tatsächlich einmal liest.
    Und feststellt: Vieles, was man "ganz genau gewusst" hat, steht dort gar nicht, oder anders.

    Vielleicht nicht geschaffen, aber sie wurden im Laufe der Jahrhunderte dazu ausgebaut, genau diesen Zusatznutzen zu haben. Meist ist die Gründung einer neuen Religion ja eher das Gegenteil: Die Abrechnung mit den alten Autoritäten der Vorläuferreligion und deren Entmachtung. Um dann im Laufe der Jahrhunderte genau wieder da zu landen.

    Das ist in der Tat ein Vorgehen nach der Art Menschen mit Multipler Persönlichkeitsstörung.
    Da ich nicht so streng gläubig bin, fällt es mir schwer, das nachzuvollziehen. Mutmaßlich ist der Akteur ohnehin immerzu in einer Art Zwangslage, auch angesichts harmloserer Fehltritte: Denn das fromme Leben, welches ihm seine Religion auferlegt, kann er sowieso nicht leben.
    Die Verletzung der Vorgaben ist also vorprogrammiert - was nur mit "Kasteiung" und "Buße" wieder "gereinigt" werden kann - und wird. Das sexuelle Vergehen wird also zu einem Vergehen von vielen, welches dann mit der genau denselben krankhaften Schuld-Scham-Mechanismen und deren Kompensation abgearbeitet wird, wie die weniger lasterhaften Vergehen.

    Und am Ende kommt dann einer heraus wie Ted Haggert, der öffentlich gegen Homosexualität spricht, aufgrund eines Sexskandals mit seinem Masseur dann zurücktreten musste.
     
  5. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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