Geschichte des Kampfes gegen Kindesmissbrauch

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Im Focus stand neuerdings ein Artikel über einen großen Skandal in der Hauptstadtpolizei, da wohl innerhalb der Ermittlergruppe, die Kinderhandel bekämpfen soll, die Arbeit einer Ermittlerin erheblich behindert wurde - ein BND-Mann wurde demnach auch den Akten sogar entfernt (Ermittlung interruptus).
Das riecht schon wieder nach einem Netzwerk.
Ich habe mich dann gefragt, seit wann "Kindesmissbrauch" überhaupt thematisiert wird. Ging dies einher mit dem Aufkommen der Diskussion um Kinderrechte und deren Einführung? Hat es mit dem Aufkommen von neuen Erziehungsstilen zu tun? Mit der Abkehr von der Kirche und dem Verfall ihrer Autorität? Seit wann tauchen solche Themen wie Kindesmissbrauch, Kinderhandel, sexuelle Gewalt gegen Kinder und ihre Bekämpfung in den Zeitungen oder überhaupt in den Medien auf? Wann wurden Institutionen gegründet, die sich gegen Kindesmissbrauch einsetzen. Wann wurden Spezialabteilungen in der Polizei eingerichtet, die zum Beispiel Kinderhandel und Kinderpornographie aufdecken und dementsprechende Kreise sprengen? Seit wann wurden Bücher über diese Thematiken geschrieben, seit wann dazu geforscht? Gab es früher Versuche, die Thematiken auf den Tisch zu bringen?
Es scheint echt nicht einfach, etwas dazu zu finden.
 

gaia

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Also dazu kann ich hauptsächlich mit einem Blick in die Vergangenheit etwas sagen:
Vor 20 Jahren bin ich das erste Mal richtig damit konfrontiert worden.
Damals kam raus, dass mein Arbeitgeber damit Geld verdient hat, Nacktphotos von Kindern zu verbreiten, bzw Fotos zu entwickeln auf denen Kinder ohne Kleidung auf seltsame Art abgebildet waren.
Dafür und für die "Beziehung"zu einen Minderjährigen wurde er auch bestraft. Um die Ermittlung hat sich damals eine spezielle Einheit der Polizei gekümmert( das weiß ich, weil wir Angestellte ja den Kontakt gesucht hatten, als uns der Verdacht kam)
Zugleich wurde eine Zeitschrift vom Markt genommen die für Nudisten gedacht war, aber auch von Phädophilen benutzt wurde, weil darin nackte Kinder zu sehen waren.
Im Laufe er ganzen Jahre wurden wohl Hemmungen über dieses Thema zu sprechen abgebaut, teilweise auch Traumata aufgearbeitet, weil die Welt offener wurde und man sich nicht mehr geschämt hat, wenn es um Sex ging. Oder um Missbrauch.
Und als dann klar wurde, welches Ausmaß Missbrauch von Kindern eigentlich hat, wurde sich immer intensiver um das Thema gekümmert- auch aus psychologischer Sicht- also als Ursachensuche.
Mit dem Lösen von der katholischen Kirche, bzw der Denkweise dass Diener der Kirche auch Diener Gottes sind und deswegen nichts Böses tun können, kamen dann auch die ganzen Missbrauchsfälle auf, die ganz deutlich gezeigt haben wie groß der Handlungsbedarf ist.
Also: Kindesmissbrauch gabs natürlich schon immer- aber je fortschrittlichr die Zeit, desto wahrscheinlicher, dass man gegen Missbrauch vorgeht.
Mir fällt gerde auch ein sehr alter Fim ein, in dem es um einen Kindermörder ging. Meiner Erinnerung nach wurde stand da Kindesmissbrauch eher unausgesprochen in der Luft, weil schon Kindermord schrecklich genug war. Aber durch solche Filme( 1958- Es geschah am hellichten Tag) wurden wohl die Tabutehmen langsam angegangen und die Augen dafür, dass wir in keiner heilen Welt leben geöffnet)
Als ich den Film damals geshen habe( als Kind), war er schon viele Jahre alt, aber für mich schockierend und zugleich auch aufklärend. Eine Art Lehrfilm als Kind vorsichtig zu sein, was fremde Männer angeht.
 
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Unsere Mutter (zwei Geschwister habe ich) hat uns immer wieder davor gewarnt, mit fremden Leuten ins Auto zu steigen. Da macht man sich dann schon als Kind Gedanken darüber, was die dann eigentlich machen. Ich glaube, in den 80er und 90er Jahren gab es ja auch mehrere Entführungsfälle bzw. auch immer wieder grausame Fälle, in denen Kinder verschwunden sind. Über die wurde auch sehr viel in den Medien berichtet.
2001/2002 waren Jahre, in denen mir das Thema sehr vergegenwärtigt wurde: durch eine übergemeindliche Jugendgruppe, in welcher ein Leitungsmitglied übergriffig wurde, dem auch mal die Hand mehr als ausgerutscht ist (dadurch kam es erst zutage). Die anderen Gruppenleiter probierten letztendlich, die Vorkommnisse unter dem Deckel zu halten.
Wohl unüberhörbar weltöffentlich wurde der Bostoner Missbrauchsskandal, der die katholische Kirche in den USA durchrütteln sollte. Das war auch Anfang 2002.
In den deutschen Medien war zudem die "Krumme13" thematisiert, die tritt für die Legalisierung der Herstellung und des Besitz Besitzes und der Verbreitung von Kinderpornographie und von Sexualkontakten von Erwachsenen mit Kindern eintrat (war damals sehr stark in dem Forum shortnews.de thematisiert worden).
Kennengelernt habe ich damals auch eine junge Aktivistin für eine ausländische Frauenorganisation (RAWA), die sich zudem an der Grenze zu Tschechien auch aktiv gegen den Kinderhandel und gegen Kinderprostitution eingesetzt hat.
 

gaia

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Stimmt, dieses "Fremde Männer könnten halten und einen dazu bringen wollen, ins Auto einzusteigen" stand immer im Raum.# Etwas später, als einem der Zusammenhang klar wurde hat sich das wohl zu allgemeinen Vorsicht ausgeweitet. Man hatte die Erkenntnis, das die Welt auch schlecht sein kann.
Krummel13 kanne ich nicht, bzw habe ich das vergessen.
Schon heftig irgendwie.
Es ist ja klar, dass jemand für seine sexuelle Ausrichtung nichts kann- aber im Gegenzug, diese dann ausleben zu wollen, ist noch mal ne andere Schiene.
Es ist wohl auch so, dass man versucht niemanden aufgrund dieser Ausrichtung zu verteufeln
In der Praxis sieht das aber schon anders aus. Denn wer möchte nun wirklich mit jemanden befreundet ein, der auf kleine Kinder steht? Selbst wenn er das nicht ausleben möchte, hätte wohl fast jeder da eine innere Barriere.
Was dann wieder klar macht, da so jemand gesellschaftlich isoliert ist, sobald er sich outet.
Aber wir sind inzwischen soweit, dass wir zumindest Anlaufstellen für Phädophile haben und das ganz offen.
 

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Es ist wohl auch so, dass man versucht niemanden aufgrund dieser Ausrichtung zu verteufeln
In der Praxis sieht das aber schon anders aus. Denn wer möchte nun wirklich mit jemanden befreundet ein, der auf kleine Kinder steht?
Auch da gab es mal einen Film dazu. Gezeigt wurde u. a. eine Person, die sich seiner Ausrichtung bewusst war, einige seiner Umgebung auch, die aber sich entschieden hatte, sich eben nicht an Kindern zu vergreifen oder sie in irgendeiner Form zu manipulieren.
Es werden auch immer wieder Fälle von Selbstjustiz oder der Justiz des Mobs bekannt, in welcher sogar manchmal falsche Verdächtigungen auftraten (war auch erst kürzlich wieder in den Meldungen). Das hat kürzlich auch ein dänischer Film thematisiert: Die Jagd.

Es gibt sie, die Anlaufstellen (seit wann?). Es ist sicherlich ein Schweres, das Coming-Out zu wagen, auch wenn es in einer Institution geschieht, die sich darauf spezialisiert hat und nach Außen Stillschweigen gewahrt.

Allerdings ist es interessant, dass man versucht ist, hinter den Zahlen des sexuellen Kindesmissbrauchs auch die pädophile Ausrichtung zu vermuten. Untersuchungen geben allerdings ein anderes Bild: die Mehrzahl der Übergriffe wird von Personen verübt, die nicht eine pädophile Ausrichtung haben. Die Zahlen (Vermutungen reichen von 2% (!!!) bis 20% Anteil an pädophilen Tätern (je nach Untersuchung, je nach Autor, untere und obere Grenze). Natürlich fragt man sich dann: was treibt also den größeren Teil der Täter eigentlich an?
 

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Es hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten wirklich etwas getan.
Ich glaube auch, dass viele da gar nicht hingehen werden- aber sich vielleicht übers Internet Hilfe suchen, das ist also ein Vorteil der Digitalisierung!
Im Internet finden sich Initiativen, zum Beispiel diese: Schicksal und Herausforderung. Die Seite scheint nicht mehr so aktiv zu sein, hat aber auch einige Links zu Sendungen: Medienkritik, dort gibt es auch ein Forum. Dass auch Frauen zu Täterinnen werden können, bezeichnen die Macher dieser als Seite als großes Tabuthema.
Interessant fand ich dort den Beitrag zu den Tätern, der drei Arten von Tätern unterscheidet:
Sind alle Täter pädophil?. In der Kirche sind in der Vergangenheit immer wieder Missbrauchsskandale bekannt geworden. Das wurde immer wieder mit dem Zölibat in Zusammenhang gebracht. Wird damit zu monokausal argumentiert?
Wie aber argumentiert für sich ein Kleriker, der zum Täter wird? Sieht er sich selbst als Opfer? Wie bringt diese Person dies mit seinem Glauben in Einklang oder glaubt die Person eigentlich gar nicht? Hat die Person für sich entdeckt, dass die Bibel dazu nichts zu sagen hat (Schlagen erlaubt die Bibel ja auch)? Dazu müsste es doch auch Studien geben.
 

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Nun bin ich doch etwas fündig geworden, was die Aufarbeitung der Fälle in der römisch katholischen Kirche angeht - dazu gibt es zum Beispiel einen Wikipedia-Eintrag: Sexueller Missbrauch in der römisch-katholischen Kirche. Einen vergleichbaren Eintrag zur evangelischen Kirche oder zu Freikirchen oder zu den Zeugen Jehovas gibt es nicht. Aber auch zu nicht kirchlichen Einrichtungen existiert kein dementsprechender Artikel. Haben diese Fälle in der RK-Kirche denn einfach alles überschattet und/oder so viel mehr Interesse geweckt?

Wie ist denn dazu eure Meinung: ist das Zölibat ein Missbrauchsgenerator? Werden also einige Personen, die sich das Zölibat auferlegen, zu Ersatzobjekttätern?

Eine Anmerkung hätte ich noch: Dadurch würde sich doch eigentlich das Gottesbild verdunkeln, denn hinter solchen Gelübden wird doch Gottes Wille gesehen.
 

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In den USA ist der Kardinal McCarrick zurückgetreten, nach massiven Missbrauchsvorwürfen und dem Erstarken des Drucks des öffentlichen Interesses.
Vielmehr bestätigt der Fall McCarrick das überkommene Verhaltensmuster: Vorwürfe werden so lange wie möglich vertuscht, höchste Amtsträger so lange wie möglich geschützt, bis der Druck der Öffentlichkeit denn doch zu groß wird. Dann geht plötzlich alles ganz schnell.
Das bestätigen Vorgänge in Chile:
Bedeutender für die Bewertung des Falls McCarrick ist die strukturelle Ähnlichkeit mit dem Missbrauchsskandal in der chilenischen Kirche um Pater Fernando Karadima aus Santiago. Auch der heute 87 Jahre alte Karadima war als Serientäter bekannt, doch weil er viele junge Männer aus wohlhabenden chilenischen Familien für das Priesteramt gewinnen konnte und weil viele seiner Mitwisser früh ins Bischofsamt aufstiegen, war er über Jahrzehnte unantastbar.
Vertuschen bis es nicht mehr geht

Interessant fand ich auch folgenden Artikel:
Das Problem: Jede Woche werden in Deutschland etwa 250 Kinder sexuell missbraucht, sehr viele mehr werden misshandelt und vernachlässigt.
Die Lösung: Ein spezieller Algorithmus hilft den oft überlasteten Jugendämtern einzuschätzen, welche Kinder besonders gefährdet sind.
Wie lassen sich Kindesmisshandlungen verhindern?


Neuerdings hatte ich ein Gespräch mit einer Grundschuldirektorin, die einem Religionslehrer misstraut hat und dementsprechend diese Person nicht einstellen wollte. Es gab dann wohl Druck vom Amt, in der ihr gedroht wurde, dass sie ihre Tätigkeit verlieren könne. Es kam zu Übergriffen: der Religionslehrer wurde versetzt. Die Rektorin hadert noch immer mit dem Geschehenen. Hat das Amt einfach nur komplett falsch reagiert (Unwissen + falsche Einschätzung?!) oder ist sogar ein Netzwerk denkbar...
 

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Papst Franziskus hat auf seiner Irlandreise um Vergebung wegen den vieltausendfachen Missbrauchsaffären gebeten.
Höhepunkt des Papstbesuchs soll eine Messe am Sonntag in Dublin sein, zu der 500 000 Menschen erwartet werden. Kritiker haben aus Protest gegen die Missbrauchsaffären zum Boykott der Messe aufgerufen und eine Gegenveranstaltung im Stadtzentrum von Dublin angekündigt. Ihnen geht die Aufklärung nicht weit genug. Sie fordern, dass die Kirche konkrete Schritte einleitet, um weiteren Missbrauch zu verhindern und die Täter und ihre Vorgesetzten zur Verantwortung zu ziehen.
Papst Franziskus bittet um Vergebung für Missbrauchsfälle.
Dass Kritiker die fade Aufklärung bemängeln und die fehlenden konkreten Schritte zur Verhinderung weiteren Missbrauchs, wundert nicht. Schon die Bitte um Vergebung erscheint wie Augenwischerei. Eher ist es auch eine Strategie, Leute ruhig zu stellen. Denn wer vergibt, thematisiert es hoffentlich nicht mehr. Und es stellt keinen aktiven Kampf gegen den Kindesmissbrauchs dar, sondern eher den Winkelzug, das Schlachtfeld für sich zu nehmen und die Kläger herunter zu bitten. Auch Gott um Vergebung zu bitten, ist Augenwischerei, denn, nun offensichtlich, geschah und geschieht es doch unter seiner Aufsicht von seinen Leuten.
Dazu möchte ich allerdings noch einen Gedanken äußern. Ich frage mich nämlich, wo in den Kirchen aktiv, vielleicht sogar mit Schriftbeleg, aktiv gegen den Kindesmissbrauch gepredigt wird und er entschieden verurteilt wird, und sei es gegen die eigenen Reihen. Keine der so zahlreichen existierenden Kirchen auf dieser Welt seien ausgenommen, Freikirchen, protestantische Kirche, Zeugen Jehovas und so weiter und sofort. Wo gehen die Kirchen/Gemeinden aktiv diese Problematik an?
Vielleicht liest ja ein Anhänger einer christlichen Gemeinschaft diese Zeilen und möchte sich dazu äußern. Eine Bibelstelle, die den Kindesmissbrauch explizit verurteilt, würde auch sehr mein Interesse wecken.
 

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Es gibt eine Studie zu dem Missbrauch in der katholischen Kirche. DIE ZEIT berichtet darüber.
Die Studienautoren nennen den "Klerikalismus als eine wichtige Ursache und ein spezifisches Strukturmerkmal" für sexuelle Gewalt innerhalb der Kirche. Mit Klerikalismus sei "ein hierarchisch-autoritäres System" gemeint, das auf Seiten des Priesters "zu einer Haltung führen kann, nicht geweihte Personen (…) zu dominieren, weil er qua Amt und Weihe eine übergeordnete Position inne hat". Sexueller Missbrauch Minderjähriger sei "ein extremer Auswuchs" dieser Dominanz.
Machtstruktur begünstigt sexuellen Missbrauch und Vertuschung. Vielleicht sind die Zahlen die neue Erkenntnis. Aber wie umfassend kann ein Bild werden, wenn Vertuschung die Praxis ist?
 
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