Wo ist die unverfaelschte Bibel?

albi2000

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Im Jahr 325 vermischte der römische Kaiser Konstantin 1. (der Große) auf den Ersten christlichen Konzil von Nicäa (heute Iznik ~ Türkei) das Sol Invictus (unbesiegbarer Sonnengott = Ra/Marduk) mit der Erscheinung des Jesus Christus. Auch wurde durch seine Initiative die Reinkarnation aus dem Christentum gestrichen und die Dreifaltigkeit eingeführt und noch so manche andere Änderung im Christentum und in der Bibel. Obwohl Konstantin selbst kein Christ war, erhob er das Christentum zur Staatsreligion, nachdem er es gründlich in seinem Sinne verändert hatte. Wer diese Änderungen nicht übernehmen wollte, wurde unbarmherzig verfolgt und getötet. Dieses Schicksal ereilte damals fast alle der antiken Gnostiker.

Warum machte denn Konstantin so etwas? Die Römer hatten damals sehr viele Götter, und deshalb bekriegten sich die Leute ständig gegenseitig. Jeder behauptete, nur sein Gott wäre der richtige. Heute ist das ja weltweit nicht viel anders, am schlimmsten ist das gerade beim Christentum mit seinen x hunderten Sekten zu sehen. Wen wunderst denn, das es ja auf solchen veränderten Grundlagen aufgebaut ist. Deshalb wollte der Kaiser ihnen alle diese Götter austreiben. Daher hat sich die christliche Religion rapid ausgebreitet.

Nun möchte ich wissen, wo man denn eine solche unveränderte Bibel mit der Inkarnationslehre und ohne römischen Weihrauch zu Gesicht bekommt.
ww.allenbach-ufo.com
 

Giacomo_S

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albi2000 schrieb:
Im Jahr 325 vermischte der römische Kaiser Konstantin 1. (der Große) auf den Ersten christlichen Konzil von Nicäa (heute Iznik ~ Türkei) das Sol Invictus (unbesiegbarer Sonnengott = Ra/Marduk) mit der Erscheinung des Jesus Christus. Auch wurde durch seine Initiative die Reinkarnation aus dem Christentum gestrichen und die Dreifaltigkeit eingeführt und noch so manche andere Änderung im Christentum und in der Bibel. Obwohl Konstantin selbst kein Christ war, erhob er das Christentum zur Staatsreligion, nachdem er es gründlich in seinem Sinne verändert hatte. Wer diese Änderungen nicht übernehmen wollte, wurde unbarmherzig verfolgt und getötet. Dieses Schicksal ereilte damals fast alle der antiken Gnostiker.

Diese Darstellung der Geschichte ist grob vereinfachend, formelhaft, oder schlicht falsch. Zwar war die Behandlung der Natur Jesus und die Auseinandersetzungen mit den Arianern und schließlich deren Verbot zentraler Inhalt des Konzils, von einer "Vermischung mit Ra/Marduk" kann aber nicht ansatzweise die Rede sein.
Konstantin selbst war zwar sehr interessiert an dem Konzil, um Einheit und Stabilität seines Reiches zu festigen. Andererseits nahm er wenig Einfluss auf die Willensbildung des Konzils.
https://de.wikipedia.org/wiki/Erstes_Konzil_von_Nicäa

albi2000 schrieb:
Nun möchte ich wissen, wo man denn eine solche unveränderte Bibel mit der Inkarnationslehre und ohne römischen Weihrauch zu Gesicht bekommt.

Gar nicht, möchte ich meinen. Wenn es sie denn überhaupt je gegeben hat.

Taucht die Behauptung einer "verfälschten Bibel" auf, dann sollte man zunächst einmal prüfen, wer das behauptet. Oft genug ist man dann auf islamische Propaganda hereingefallen, die verblasen völlig schmerzfrei oft so einen Kram.

Die ältesten überlieferten Teile des Neuen Testaments stammen aus dem 4. Jh., in Fragementen aus dem 2.Jh. Darüber hinaus haben wir Kopien von Kopien von Kopien von Kopien. Es mögen sich hier und da Kopierfehler eingeschlichen haben, aber im Großen und Ganzen darf man davon ausgehen, daß die Kopisten sorgfältig gearbeitet haben.
Die Kanonisierung der Bibel erfolgte um das 4. Jh. Die heute in der Bibel gelisteten Texte waren zeitweise nicht die einzigen in den Gemeinden kursierenden heiligen Texte, aber letztlich sind es diejenigen, die ausgewählt wurden.

Andere "Evangelien" bezeichnet man heutzutage als Apokryphen - Texte aus dem Umfeld der Bibel, die aber nicht zur ihr gehören. Von diesen sind in der Tat einige "fromme Legenden", um es mal positiv auszudrücken, oder gar plumpe Fälschungen. Oder gnostische Propaganda. Gnostiker wurden nicht zu allen Zeiten verfolgt. Es gibt andere Gründe, warum sich ihre Lehre nicht durchsetzen konnte.

Will man den Apokryphen dennoch einen gewissen Wert zumessen, dann ist sicherlich das 1945 in Nag Hammadi gefundene Thomasevangelium interessant (Inhalt des Thomasevangeliums). Wirklich weltbewegende Neuheiten wirst Du aber auch hier nicht finden.

Viele Autoren um angebliche "ursprüngliche" und "unverfälschte" Bibeltexte reissen den Mund weit auf, ohne wirklich etwas belegen zu können. Im Grunde ist das nur Blablabla. Denn in den seltensten Fällen gibt es diese Texte überhaupt.
 

Ein_Liberaler

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Allenfalls scheint man sagen zu können, daß in das Christentum bestehende religiöse Vorstellungen eingeflossen sind, beispielsweise in die Marienverehrung und Marienikonographie, die sich manchmal sehr an Darstellungen der Isis mit dem Horusknaben anlehnt, und auch die Idee von Tod und Auferstehung zur Herrschaft könnte eine Wurzel in ägyptischen Vorstellungen haben - aber gerade nicht unbedingt im Ra-Kult. (Wobei es auch Gleichsetzungen von Ra mit Horus gibt.)
 

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Die christliche Gemeinde war in den ersten Jahrhunderten von Richtungsstreitereien gezeichnet. Wie ist die Stellung von Jesus zu seinem Vater? Wie ist die Haltung zum Staat (Es gibt ja auch das himmliche Reich. Außerdem ist die Haltung zu Rom im NT nicht einheitlich.)? Wie erlangt der Gläubige "Gerechtigkeit"? Warum verzögern sich die Endzeit und Jesu Wiederkunft? Welches Gewicht bekommt der Glaube und welches die Werke? Die Gnadentheologie setzt sich durch. usw. usw.
Dabei schienen gewisse Briefe und Schriften, derer es zahlreiche gibt, wohl Oberwasser zu bekommen. Und die Lehre des Paulus schob so einiges beiseite.
Die Recherche nach früheren Kanonen bietet einige Ergebnisse, wie zum Beispiel Kanon Muratori, welcher eine "Offenbarung des Petrus" kennt, dafür nicht 1. und 2. Petrus, Hebräer, Jakobus und 3. Johannes.
Irenäus von Lyon stellte um 185 n. Chr. seine kanonische Liste inspirierter Schriften zusammen, in der der Philemon-, 2. Petrus-, 2. und 3. Johannes-, Hebräer- und Judas-Brief fehlen, aber zusätzlich der Hirt des Hermas aufgeführt ist.
Umstritten war auch der Brief des Paulus an die Laodizäer und Alexandriner .

Kann man von einer "unverfälschten Bibel" reden? Das klingt so, also wäre "die ganze Wahrheit" mal bekannt gewesen. Nein, das waren Richtungskämpfe, denn das Christentum brachte ein neues Denken mit sich und seine Hirten wendeten sich gegen den Platonismus. Und hier scheint auch der Konflikt mit denen angesiedelt zu sein, die eine "Reinkarnationslehre" in das frühe Christentum brachten.
Im frühen Christentum waren Reinkarnationsvorstellungen verbreitet, da sie in der platonischen Philosophie geläufig waren und durch konvertierte Heiden in christliche Milieus eingebracht wurden. Namentlich in den sogenannten gnostischen Strömungen waren sie präsent. Die Kirchenväter wendeten sich jedoch gegen derartige Tendenzen, da sie eine Reinkarnation in mehrfacher Hinsicht als mit dem christlichen Glauben unvereinbar betrachteten, und dies ist bis heute die Haltung der großen christlichen Kirchen. Die Vorstellung der Wiederauferstehung des ganzen Menschen (Leib und Seele) schließt die wiederholte Inkarnation der Seele in verschiedenen Leibern wie auch die Erlösung der vom Körperlichen befreiten Seele (im Platonismus) aus, und die Erlösung des Menschen durch die Gnade Gottes wird im Allgemeinen als unvereinbar mit Karma-artigen Gesetzmäßigkeiten in diversen Reinkarnationslehren angesehen. Nach dem Verschwinden der christlichen Gnosis spielte Reinkarnation daher lange Zeit keine Rolle mehr im Christentum. Abgesehen von den Katharern im Mittelalter trat sie erst in der Neuzeit wieder auf, und erst seit dem 19. Jahrhundert häufen sich die Versuche, derartige Lehren auch mit der Bibel kompatibel zu machen. Reinkarnation Christentum
 

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Noch vom dem Konzil von Nicäa erfuhr das Christentum eine große Aufwertung im Römischen Reich. Im Jahr 313 wurde der Mailänder Edikt erlassen, das das Christentum mit den heidnischen Religionen gleichstellte.
Das Christentum hat jedoch in den drei Jahrhunderten zuvor schon einen beispiellosen Siegeszug hinter sich, trotz aller Verfolgung, trotz aller Verbote. Wie lässt sich dieser "Erfolg", diese große Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten erklären? Warum liefen ihm die Menschen in Scharen ins Netz?
 

Giacomo_S

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streicher schrieb:
Das Christentum hat jedoch in den drei Jahrhunderten zuvor schon einen beispiellosen Siegeszug hinter sich, trotz aller Verfolgung, trotz aller Verbote. Wie lässt sich dieser "Erfolg", diese große Ausbreitung des Christentums in den ersten drei Jahrhunderten erklären? Warum liefen ihm die Menschen in Scharen ins Netz?

Möglicherweise ist der Erfolg des Christentums ohne die Repression des Römischen Reichs nicht denkbar.
Man darf annehmen, dass das Christentum den Hauptteil seiner Anhänger zunächst unter den Unterpreviligierten fand: Sklaven, Tagelöhner, Abhängige, Bettler... Im Unterschied zu so mancher Heidenreligion musste man keine Heldentaten vollbracht haben, um im Jenseits einen guten Platz zu haben. Es reichte, sich an die 10 Gebote zu halten. Ja sogar: Je ärmer man war, um so schlechter man behandelt wurde, um so besser ging es einem dann im Himmel (Bergpredigt).
Im irdischen Leben gehörte dazu allerdings auch ein Mindestmaß nicht nur an Treu & Glauben, sondern auch an Barmherzigkeit denen gegenüber, denen es weniger gut ging.

Das Problem der spätrömischen Gesellschaft war vielmehr, dass es in ihr keinen Treu & Glauben, keine Fairness mehr gab. Selbst innerhalb der römischen Gesellschaft war der ewige Kampf zwischen Patrizier und Plebejer noch immer ungelöst und eine der wenigen Aufstiegsmöglichkeiten des Underdogs, die Legion, konnte mit ihren Versprechen nicht mehr Wort halten. Die Soldatenkaiser versprachen ihren Gefolgsleuten Dinge, die sie anschließend nicht halten konnten: Zack!, weg mit der Rübe - und es kommt gleich der Nächste, der der Legion das Blaue vom Himmel verspricht.

Dem gegenüber, so nehme ich an, werden die Urchristen untereinander, durch eine Moralphilosophie des Friedens und Verfolgung geeint, eher Hand in Hand gewirtschaftet haben. Wenn Sozialverbände an einem Strang ziehen, dann wird dabei immer mehr herauskommen, als wenn jeder gegen jeden kämpft. Auf Dauer konnte dadurch auch der Einzelne nur gewinnen.
 

Ein_Liberaler

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Die ganze römische Wirtschaft war ja mehr oder minder stark angeschlagen, die Legionen konnten kaum mehr finanziert werden, die Zivilverwaltung litt unter dem Rückzug der Wohlhabenden ins Privatleben, so daß Verwaltungsaufgaben von den Bischöfen wahrgenommen wurden...
 

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Von einem einigen Römischen Reich kann jedenfalls keine Rede sein, eroberte Länder, unterdrückte Völker, Aufstände gehörten zur Tagesordnung, Machtkämpfe unter den Römern selbst.
Jedenfalls hatte das frühe Christentum eine einigende Kraft über die Völker hinweg (obwohl es sicher nicht von Streitereien und Machtkämpfen verschont gewesen ist).
Das Christentum verlagert den Blick auf ein geistiges Reich und die Hoffnung in das Jenseits. Die Botschaft des Christentums wirkte absurd, und war doch sehr einfach zu verstehen. War das ein entscheidender Vorteil? War es die nicht greifbare Gottheit, die auch keiner Skulptur bedurfte? Ließ sich die Bevölkerung so leicht von Zeichen und Wundern überzeugen, da sie so einfach dachte und leichtgläubig war?
Ohne wortgewaltige "Charismatiker", die in dieser Lehre ihre Chance sahen und sich gewaltig für sie einsetzten, für die die Gläubigen sammelten, hätte die Ausbreitung sicher auch nicht diese Geschwindigkeit erreicht.

Mir kommt es trotzdem kaum begreifbar vor: nach drei Jahrhunderten war dieses Reich wie umgekrempelt. Die Römer und die Juden können ja nicht die einzigen gewesen sein, die sich gleichzeitig auch gegen diese Lehre widersetzt haben. Es waren alle möglichen "heidnischen Völker".
 
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