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Altarabische Religionen und Gottheiten

Dieses Thema im Forum "Religion und Glauben" wurde erstellt von streicher, 23. September 2015.

  1. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Nur religiöse Überlieferungen, jüdische und islamische, weisen auf eine Figur Abrahams hin. Es gibt sonst keine weiteren Hinweise. Das ist also Sache des Glaubens.
    Ebenso Adam: die Geschichten um die Schöpfung einschließlich der Figur Adam (es gibt sehr viele...) sind Mythen, wobei über die Jahrtausende Abschriften von Abschriften von Abschriften entstanden sind, die durchaus gezielt verändert wurden. Die alttestamentlichen zwei entstanden im Jahrtausend v. Chr. (allerdings haben die Juden erstaunlich viele Schöpfungsmythen mit Adam und Eva, etc.), es gibt aber zum Beispiel einen ziemlich ähnlichen Schöpfungsmythos in ugarithischer Sprache in Keilschrift, der im 13. Jahrhundert v. Chr. entstanden ist: der höchste Gott ist Horon, der El stürzen möchte und in den paradiesischen Garten verbannt wird, in den auch der Baum des Lebens wächst. Adam ist dort die auserkorene Figur, die Horon bekämpfen soll... Auf ask1 gibt es zu alldem einee durchaus lesenswerten Thread: Baum des Lebens und Baum der Erkenntnis. Interessant finde ich dabei auch die altorientalistische Sicht auf die Entstehung Seite 3. Die ursprünglichen Versionen der Schöpfungsmythen wären demnach im Sumer zu suchen.
     
  2. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    In der Tat gab es im vorislamischen Arabien neben Judentum und Christentum weitere monotheistische Traditionen, bei denen die Frage gestellt wird, wie autochthon sie wohl waren. Genannt wird zum Beispiel der Rahmanismus: der Wikipedia-Eintrag dazu ist sehr kurz. ar-Rahmān bedeutet der Erbarmer und wird auch im Koran verwendet. "Der Barmherzige" wird in Inschriften ab dem 4. Jahrhundert angerufen.
    Zu nennen wären auch die Hanifen, von denen ebenfalls im 4. Jahrhundert berichtet wird und die einen Monotheismus angestrebt hätten: sie verstanden sich als Nachfahren Ismaels.
    Tatsächlich war Mohammed zu seiner Zeit nicht der einzige, der in Anspruch nahm, Prophet zu sein. Mindestens ein weiterer Hanif beanspruchte es zur gleichen Zeit: Abu Amir.
    Überhaupt wird angenommen, dass die Offenheit gegenüber einer Offenbarung zu der Zeit (und zuvor) groß gewesen sein soll. Die "Propheten" der Rahmanisten sollen stets auch nennenswerten politischen Erfolg gehabt haben. Darauf geht dieser Text ein (Achtung: pdf!), der sich mit dem Kontext befasst, in dem der Islam entstand: ORIGINS OF ISLAM: POLITICAL -ANTHROPOLOGICAL AND ENVIRONMENTAL CONTEXT.
     
  3. Telepathetic

    Telepathetic Großmeister

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    Die islamische Doktrin von Abraham als dem ersten Muslim ist nur ein haarbreit entfernt von dem jüdischen Dogma, dass aus den Nachfahren von Ishmael, Sohn von Abraham und Hagar, das arabische Volk entstanden ist.
     
  4. fumarat

    fumarat Erleuchteter

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    Giacomo, deine Aussagen bestätigen für mich nur dein fehlendes Grundverständnis des Hadith. Ein bisschen copy-paste Wikipedia-"Scheinwissen" bringt hierbei auch nicht mehr Legitimität in deine Aussagen.
    Um auf deine Aussage zurückzukommen. Die Methotik der Textkritik eines Philologieprofessesors würde auch einen Erstsemesterstudenten in Hadith durchfallen lassen. Das liegt jedoch daran dass man Äpfel mit Birnen nicht vergleichen kann!
    Die islamische Textkritik hat einen anderen Ursprung und ein anderes Ziel, es geht um die Angelegenheiten der Religion. Deshalb ist hierbei ein hohes Maß an Präzision gefordert, und die Gelehrten des Hadith haben hierfür eine eigene Methodik entwickelt.
    Die Tatsache dass Imam al Buhari aus ca. 600.000 Hadithen nur einige Tausende für sein Hauptwerk berücksichtigt hat, liegt in erster Linie daran, dass häufig der "Matn" also der Wortlaut des Hadithes identisch war, jedoch der "Isnad", also die Überliefererkette variierte. Damit zählt dieser als einzelner Hadith. Manche berühmte Hadithe, und die meisten Hadithe von Bukhari sind berühmt, hatten zu Lebzeiten Bukharis bereits hunderte Überliefererketten. Somit kannst du bereits 2 Nullen der 600.000 streichen. Zudem waren viele Hadithe ähnlich, dass heißt eine ähnliche Aussage wurde zum selben Thema geäußert, sodass eine Doppel-Zitierung überflüssig wäre. Zuletzt wurden die Hadithe aussortiert die die Kriterien der Authentizität nicht erfüllten.

    Die Methodik haben verschiedene Hadithwissenschaftler in der Einleitung ihrer Werke ausgeführt. Im Grundsatz entwickelten alle Sammler ähnliche Prinzipien, welche letzlich rational nachvollziehbar sind.

    In aller Kürze: Zunächst werden nur Berichte mit einer Überliefererkette akzeptiert. Die Plausibilität der Kette wird geprüft, die Bibliographien der einzelnen Überlieferer werden analysiert (Rijal-Bücher) und schlußendlich kommt man zu einer begründeten Einstufung der Authentizität.

    Streicher, wie gesagt ein historischer Beweis wird schwierig. Ebenso ist auch die Religions-Evolutionstheorie nicht historisch zu beweisen. Die Tatsache dass in anderen Kulturen ähnliche Schöpfungsmythen oder auch beispielsweise Sintfluterzählungen kursierten beweist weder das Eine noch das Andere.

    Deine Verlinkungen zum Rahmamismus, Hanifentum oder wie auch immer man dies nennen möchte decken sich mit den Berichten der islamischen Historiker über die vorislamische Zeit. Nach meinem Kenntnisstand handelte es sich dabei jedoch nicht um ausgeklügelte Religionssysteme, sondern um eine diffuse Tradition, im vorislamischen Arabien nur mehr von einzelnen arabischen Gelehrten oder Querdenkern praktiziert, der berühmteste ist sicherlich Waraqa ibn Naufal. Diese waren in erster Linie durch die Thora und die Evangelien inspiriert.
     
  5. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Etwas zu beweisen, wird ohnehin kaum möglich sein, eine Theorie kann über das Erklären nicht hinauskommen.

    Waraqa ibn Naufal, über den bin ich in meinen kleinen Recherchen auch schon gestolpert. War er ebionitischer Christ ("Judenchristen", die u.a. die Jungfrauengeburt ablehnten und Jesus als Messias erkannten)?
    Abu Amir gehörte zu den Feinden Mohammeds, der jedoch als Hanif galt.
    Berichtet wird noch von Musailima, der sich ebenfalls als Prophet verstand, monotheistischen Glaubens war und ar-Rahman verehrte (s.o.: der Barmherzige).
    Dies entspricht auch den Ausführungen des Textes, zu dem ich den Link gesetzt habe, denn offensichtlich schien man in der Region für prophetisches Wirken recht offen gewesen zu sein, so dass sogar zur Zeit Mohammeds weitere Propheten gewirkt haben, die zueinander in Konkurrenz standen. Die Konkurrenz spielte auch in die sogenannten Ridda-Kriege hinein, wobei zu dem Zeitpunkt eine Schlüsselrolle dem Abu Bakr zufiel, dem "ersten Kalifen", der abtrünnige Stämme unterwarf. Längst hatte sich also auf Grundlage der religiösen Bewegung eine äusserst starke politische Dimension gesellt.
     
  6. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Zum Beispiel lebten im Jemen vormals die Sabäer: Böden als Archive vergangener Kulturen. Die Ausgrabungsarbeiten scheinen schon bis 2009 gefährlich gewesen zu sein.

    Weibliche Gottheiten hatten in vorislamischen Zeiten einen prominenten Stand. Das zeigen metallene Weihtafeln.
    Dazu der wissenschaftliche Artikel: South Arabian zabūr script in the Gulf: some recent discoveries from Mleiha (Sharjah, UAE)
     
  7. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Diesmal habe ich mich nach englischsprachigen Quellen umgeschaut. Dabei bin ich auf folgenden Artikel gestoßen: Mythology and religion of pre-Islamic Arabia: Deities, Spirits, Figures and Locations.
    Daraus:
    Einen weiteren Artikel finde ich lesenswert in der Encyclopaedia Britannica: Arabian religion
    ancient religion
     
  8. Giacomo_S

    Giacomo_S Ehrenmitglied

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    Es hat, historisch, eben keineswegs die gradlinige Entwicklung vom Polytheismus zum Monotheismus gegeben, wie uns das die jeweiligen Schriften glauben machen wollen (wenn der Polytheismus überhaupt Erwähnung findet). Vielmehr liefen Polytheismus und Monotheismus lange Zeit parallel und auch Jahwe (JHWH, Jehova o.u.) war ursprünglich nur ein Gott unter vielen. Es muss auch immer wieder Rückschläge gegeben haben. Allein das 1. Gebot des AT spricht ja auch für sich:
    „Ich bin JHWH, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus. Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“
    Aha: Es ist nicht davon die Rede, es gäbe keine anderen Götter ... man soll sie nur nicht anbeten.

    Al-Lat, Al-Uzza und Manat werden auch im Koran erwähnt (Sure 53, "Der Stern"), sie sind Bestandteil der sog. "Satanischen Verse":

    (19) Habt ihr Lat und Uzza gesehen,
    (20) und auch Manat, diese andere, die dritte?

    Hier setzt die Variante ein:
    Das sind die erhabenen Kraniche.
    Auf ihre Fürbitte darf man hoffen.

    Die letzten zwei Zeilen wurden später "korrigiert", denn sie wurden Mohammed nicht vom Erzengel Gabriel eingegeben, sondern vom Teufel.
    Offenbar war es mit dem klaren Monotheismus zur Zeit Mohammeds noch nicht ganz soweit gediehen.
     
  9. streicher

    streicher Ehrenmitglied

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    Ist man sich denn einig darüber, dass diese Verse in einer früheren Version so bestanden haben? Jedenfalls haben auch die Verse (19) und (20) die Funktion, einen vorher bestandenen oder zu der Zeit noch bestehenden Polytheismus abzuschütteln. Die Ursprünge sind durchaus noch sichtbar.
    Ich finde allerdings auch die Götterkonstruktion in dem vorislamischen Arabien durchaus interessant: obigen Ausführungen zufolge wäre Allah ein Hochgott gewesen, der sich im Hintergrund hält, der auch nicht viel verehrt wurde, eher die anderen, die sich um die Welt nach damaligem Glauben konkret kümmerten.
    Die Religion Israels wird in seiner älteren Form auch als henotheistisch eingeordnet, denn die Vorstellungen von JHWE entwickelten sich aus der Göttervorstellung der kanaanitischen Völker, mit dem Gott El im Göttervorsitz. Gibt es einen Vers im Tanach, der sich gegen "El" wendet? Scheinbar nicht. Gegen andere kanaanitische Götter durchaus schon, wie zum Beispiel gegen Baal.
    Stellt sich natürlich die Frage: Warum setzten sich in der Geschichte an verschiedenen Orten mit der Zeit wiederholt unterschiedliche Formen des Monotheismus durch?